ARD, Mittwoch, 7. Juni, 20.15 Uhr, Sonntag, 11. Juni, 20.45 Uhr: "Das Milliardenspiel", Fernsehfilm in zwei Teilen von Klaus Pohl (Buch) und Peter Keglevic (Regie)

Ein brillanter Film, brechtisch die leichte, durchsichtige Faktur, die messerscharfen Dialoge, die Charaktere des Geldadels, die wie in einem Lehrstück pünktlich erfüllen, was das Gesetz des Großen Mammons von ihnen will. "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" fällt einem ein und "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui", Brechts Parabeln von der Freiheit mit beschränkter Haf-

Klaus Pohls Film ist nicht bitter zynisch wie frühere Satiren auf die Finanzaristokratie, die es mit einer allmächtigen, selbstbewußten Kaste zu tun hatten. Der Stil des Films ist dem des bundesdeutschen "zweiten Wirtschaftswunders" angemessen. Die Bankiers sind von "geschäftsfremder Melancholie" befallen und lassen sich in rührender Weise von einem jungen Newcomer (Ulrich Tukur) hinreißen, obwohl und gerade weil der mit ihrem altehrwürdigen und etwas staubigen Instrumentarium herumklimpert, als wären’s gelbe Gickerlinge. Die melancholischen Bankiers im Rausch des Leichtsinns, die Hochstapelei als Lebenselixier eines dahindämmernden Bankkapitals.

Der Film kann sich heitere Ironie leisten und muß seine Figuren nicht denunzieren; im Hintergrund dudelt ein alter Ragtime und gibt dem Ganzen einen Zug ins Nostalgische. Der ermattete Tanz ums Goldene Kalb, um das "ganz große Geld", das dieser Jungunternehmer Asselt sich zum Lebensziel gesetzt hat – dieser Tanz flackert noch einmal auf. Mit dem alten Geld kauft Asselt ein paar marode Unternehmen auf und peitscht sie hoch – nur durch seine Yuppie-Willkür, nur durch die Hoffnung auf dubiose Großaufträge aus Nahost. Nur durch die Erwartung, die die Banker in einen Durchreißer wie ihn setzen müssen, wollen sie nicht dem Nullwachstum ins Auge blicken.

Geld – ein altes Thema, aber zu jeder Zeit steckt etwas anderes dahinter; für welches Leben bezahlt unser Geld, welches Leben verdient es sich? "Es gibt diese fürchterlichen Spaziergänge zu der kleinen Filiale einer Bank, wenn man sein Konto überzogen hat", erzählt der Regisseur Peter Keglevic; seine Angst vor Geld und vor den Banken sei ihm durch diesen Film genommen worden.

Der Film zeigt das Geld als Spielzeug einer verspielten Gesellschaft. Am Ende müssen ein paar Bankiers vor Gericht, aber auch das wird so ernst nicht genommen. Es geht nicht ums Überleben, sondern um den blanken Spaß, mit den "Mios" zu jonglieren. Dieser Asselt repräsentiert durchaus, was heute hinter dem Geld steht: der Triumph des Leichtsinns. Er betrinkt sich an Mineralwasser und genießt sein Riesenspielzeug: seinen Konzern und seine steinzeitlichen Schaufelradbagger, die er mit gelinkten Aufträgen auf Halde produziert: Egal, "die Produktion muß laufen, das andere findet sich".

Ach, und die Frau Ministerin (Nicole Heesters), wie auch sie sich zuletzt zu einem leichtfertigen halben Nicken durchringt, als es darum geht, den bankrotten Asselt mit "frischem Geld" zu versorgen: "Wir sollten es riskieren." Sie lächelt wie ein Mädchen, das beschlossen hat, auf die elterlichen Grundsätze zu pfeifen. Ein neues spielerisches Element ist ins Berufsleben der höheren Gesellschaft gekommen: ein lüsternes Interesse an frischem Geld und frischem Blut.

Martin Ahrends