Um die Erhaltung der Kernanlage der Thermen kommt die Stadt zwar nicht herum, doch den Funden unter der Bank bleibt kaum eine Chance, obwohl dort zum ersten Mal in Trier die Möglichkeit bestünde, neben den Thermen einen Ausschnitt der römischen Stadt zu erhalten, mit der Hauptstraße Cardo und Wohnhäusern, die entstanden, als sich die ersten Römer bei den Barbaren niederließen. Ein seltener Fund, sagen Archäologen. Doch Triers Oberarchäologe Heinz Cüppers hält diese Funde für nicht erhaltenswert. "Wir können nicht auf Teufel komm ’raus Mauern erhalten." Einen Teil des Kapuzinerklosters und die Splittergräben ließ er bereits abreißen.

Geschichtsbewußte Bürger protestieren. Der Trierer Historiker Wolfgang Schieder sieht darin "eine ebenso beklagenswerte wie unnötige Zerstörung von geschichtlicher Anschauung unserer Stadt". Das gelte auch für die Zeugnisse des Zweiten Weltkrieges. Die Trierer CDU ist ebenfalls der Ansicht, daß an keiner anderen Stelle sich Geschichte so gut überblicken lasse. Doch Christoph Böhr, Bundesvorsitzender der Jungen Union und Fraktionsvorsitzender der Trierer CDU, hat klargestellt: "Das Verwaltungsgebäude der Stadtsparkasse ist und bleibt notwendig."

Das Geflecht zwischen CDU-Stadtratsfraktion und Sparkasse setzte sich durch, obwohl das Oberverwaltungsgericht Koblenz den ersten Bebauungsplan für nichtig erklärt hat, weil der Leiter des Rechenzentrums der Bank unzulässigerweise als CDU-Stadtratsmitglied an der Entscheidung beteiligt war. Nachdem das Land Rheinland-Pfalz die Finanzierung zugesagt hatte, entschloß man sich, für die nicht von der Bank und der Tiefgarage bedrohten Funde ein Thermenmuseum in den neuen Bebauungsplan zu zwängen.

Lange vor der offiziellen Ausschreibung war aus der Umgebung des damaligen Oberbürgermeisters Felix Zimmermann zu erfahren, wer das Museum planen sollte: sein Freund Oswald Mathias Ungers, einer der, obwohl umstritten, renommiertesten deutschen Architekten. Ungers hat in Trier schon den Vorplatz der imposanten Konstantin-Basilika gestaltet. Seinen Dreißig-Millionen-Mark-Entwurf präsentiert er im Sinne einer Schokoladenmarke: quadratisch, praktisch, gut. Der Kölner Architekt, der nicht nur in Trier der "Guru des Quadrats" genannt wird, will einen vierzig Meter breiten und fünfzehn Meter hohen Glaskubus über einen Teil der Thermen stülpen. Es soll eine "mehr oder minder beliebige Fläche wie ein Fenster in die Platzfläche hineingeschnitten werden", erläutert Ungers. "Der Ausschnitt wird gewissermaßen als Deckel durch ein gleichmäßiges Stützraster emporgehoben und mit einer transparent wirkendenden Glashaut nach außen geschützt."

Ungers ist von seiner Idee begeistert. Er hält seinen Kubus für bedeutender als die Pyramide des Amerikaners Pei vor dem Pariser Louvre. "Kein anderes Museum der Welt hat die Möglichkeit, überlagerte Geschichte von der Antike bis zur Neuzeit unmittelbar zu zeigen." Die Trierer Bürger beeindruckt das wenig: Hier wolle sich einer eher ein Denkmal bauen als einen Platz für Bürger, heißt es, oder: "Das Glashausmonster erweckt keinerlei Heimatgefühl."

Selbst dem Stadtvorstand ist der Entwurf nicht ganz geheuer – er will den Bau auf Trierer Verhältnisse stutzen. Der schwarze Mercedes von Ungers steht deshalb jetzt häufiger im Parkverbot vor dem Rathaus. Während der harten Verhandlungen schrumpfte das Volumen der Ungers-Vitrine um mehr als die Hälfte, während an der Bank nur kosmetische Veränderungen vorgenommen wurden. Im neuen Bebauungsplan ist die Traufhöhe des Gebäudes um einen Meter gesenkt worden, damit die kleine spätgotische Antoniuskirche, die den Viehmarktplatz einst bestimmte, nicht vollends zur Kapelle wird. Auf ihren Autoschalter muß die Bank "wehen Herzens", so Direktor Gerd Burscheid, verzichten. Als Erinnerung an die Funde unter der Tiefgarage werden die Intarsien zweier sich kreuzender Straßen in den Platz eingelassen, von denen eine werbewirksam im Eingangsbereich der Bank endet.

Die Bürgerinitiative fühlt sich verschaukelt. "Warum müssen römische Funde und außergewöhnlicher Museumsbau Platz machen zugunsten eines unbedeutenden Bankgebäudes?" fragt der Stadtgeograph Johannes Michael Nebe. Die Kritiker bemängeln vor allem den städtebaulichen Wirrwarr auf dem Viehmarktplatz. Die geplanten Gebäude stehen zueinander wie auf den Platz gewürfelt, umgeben von dem, was jahrelange städtebauliche Konzeptionslosigkeit hervorgebracht hat.