Als 1986 ein potentieller Anleger, der von den Vorstrafen Rautenbergs Wind bekommen hatte, beim Amt nachfragte, ob dem "Anlage- und Vermögensberater" inzwischen das Handwerk gelegt sei, mußte er sechsmal anrufen, ehe er mit dem "zuständigen Sachbearbeiter" verbunden wurde. Der gab ihm schließlich zur Antwort: "Wir wußten gar nicht, daß es den Mann noch gibt."

Noch im Herbst 1988, als Rautenberg entgegen der gerichtlichen Anweisung weiter Gelder entgegennahm, meinte ein Aufsichtsbeamter blauäugig: "Wir konnten doch nicht wissen, daß der trotz Verbot weitermacht."

Bei den Ermittlungen zu dem Verfahren vom Mai 1988 glaubte offenbar auch Staatsanwalt Klaus-Heinrich Debes – inzwischen versetzt –, des Gründlichen genug getan zu haben, nachdem sich Rautenberg sogleich geständnisfreudig zeigte. "Der Angeschuldigte", schrieb verärgert Staatsanwältin Fischer als seine Nachfolgerin in ihre Anklageschrift, "hat nicht einmal einen Bruchteil seiner eigentlichen Verbindlichkeiten seinerzeit eingestanden."

Aufgeflogen ist Rautenberg denn auch nicht durch Behördeneifer. Ein Betriebswirtschaftsstudent knackte das Schneeballsystem. Über einen ehemaligen Studienkollegen, mit dem er eine gemeinsame Kapitalanlage-Firma betrieb, hatte er seit 1987 mit kleineren Beträgen immer pünktlich saftige Zinsen zwischen 16 und 25 Prozent eingestrichen. Nachdem er auch noch seine Verwandtschaft animierte, insgesamt 3,7 Millionen Mark lockerzumachen und derart hochprozentig anzulegen, blieben im August 1988 und auch in den Folgemonaten die hohen Zinsen aus. Der Studiosus mußte annehmen, sein Partner habe ihn verschaukelt, und zeigte ihn deshalb bei der Kripo an. Die deckte binnen weniger Tage auf, daß der Partner auch nur einer der vielen Trittbrettfahrer war, die für den mittlerweile zahlungsunwilligen Rautenberg gegen gute Provision Kundengelder sammelten.

Bei Rautenbergs Festnahme und der Beschlagnahmung von Bürounterlagen am 2. November vorigen Jahres reiste die Kripo mit leichtem Gepäck ab. Buchhalter Rautenberg hatte praktisch keine Buchhaltung. Die Quittungskopien, die angeblich allabendlich per Sonderkurier über die Schweizer Grenze gingen, hat er wohl jeweils vorher dem Reißwolf anvertraut. Jedenfalls fanden sich weder in seinen Büroräumen noch seinen Wohnungen in Berlin und Zürich irgendwelche verwertbaren Unterlagen. Nicht einmal Miete und Stromrechnung scheint er per Banküberweisung beglichen zu haben.

Mit dem neuen Prozeß bekam Berlins Justiz Gelegenheit zum Nachbessern: Der wieder zum Richter bestellte Hans-Georg Bräutigam verurteilte Rautenberg am Montag dieser Woche zu viereinhalb Jahren Haft, und für fünf weitere Jahre wurden ihm Geldgeschäfte jeglicher Art verboten.