Von Peter De Thier

Von konsequenter Unternehmenspolitik kann da wohl kaum noch die Rede sein“, meint Martin Stern vom New Yorker Investmentunternehmen Salomon Brothers, „erst verkauft PanAm beträchtliche Teile seines Vermögens zum Schleuderpreis, und nun wollen sie einen Konkurrenten aufkaufen, der fast doppelt so groß ist.“ Auch anderen entlockte es zynische Seitenhiebe, als PanAm-Chef Thomas Haskett bei der Hauptversammlung des Unternehmens bekanntgab, daß man NWA Incorporated, der Muttergesellschaft des Konkurrenten Northwestern Airlines, ein Übernahmeangebot unterbreiten werde. Schließlich hat PanAm während der vergangenen acht Jahre Schulden in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar (über 3,5 Milliarden Mark) angehäuft, und seit 1980 schreibt das Unternehmen ununterbrochen rote Zahlen.

Obwohl die Zyniker von „einem verspäteten Aprilscherz“ sprechen und behaupten, daß PanAm „diesmal keinen Absturz zu befürchten braucht, weil sie gar nicht erst abheben wird“, spricht doch einiges für einen Zusammenschluß mit Northwestern.

PanAm ist die führende amerikanische Fluggesellschaft auf den Nordatlantik-Strecken, und obwohl man nach dem Absturz eines Jumbos über dem schottischen Lockerbie empfindliche Umsatzeinbußen hinnehmen mußte, glaubt Haskett, daß sein Unternehmen auf dem besten Wege sei, „das Vertrauen der Kunden wiederzugewinnen“. Ein Manko ist jedoch die geringe Zahl an Inlandsflügen, die einen reibungslosen internationalen Anschluß gewährleisten könnten.

Direktflüge ins Ausland gibt es mit PanAm nur von sechs amerikanischen Flughäfen aus. Wer beispielsweise von Salt Lake City nach Frankfurt möchte, muß zunächst nach Chicago, New York, Washington oder Miami. Diese Strecken werden aber überwiegend von anderen Fluglinien bedient, die, so ein PanAm-Sprecher, „nicht das geringste Interesse daran haben, daß die Passagiere der Konkurrenz pünktlich den internationalen Anschluß erreichen“. Über ein weitläufiges Inlandsnetz verfügt aber Northwest, das durch einen Zusammenschluß mit PanAm diese Schwäche beheben könnte.

Haskett spricht von einer „idealen Ergänzung“, zumal man durch den Erwerb von Northwest verlorengegangene Märkte zurückerobern könnte. 1985 verkaufte PanAm seine Pazifik-Routen an United Airlines. Gerade dort hat aber Northwest den größten Marktanteil aller US-Fluglinien, so daß nach Aussagen Hasketts wieder von einer „wahrhaftig globalen Fluggesellschaft die Rede sein könnte“.

Wichtig ist ferner, daß PanAm Verluste in Höhe von fast 900 Millionen Dollar vortragen könnte und somit Gewinne des neuen Flugriesen zunächst steuerfrei wären. Sollte der Coup gelingen, würden die beiden Unternehmen United und American Airlines überholen und mit einem Jahresumsatz von 9,2 Milliarden Dollar (fast zwanzig Milliarden Mark) zur größten amerikanischen Fluggesellschaft aufsteigen.