Sie sind seit vierzig Jahren einer der am meisten gefeierten Pianisten der Welt, doch Ihre eigenen Kompositionen werden von der Kritik bis heute nicht ernst genommen.

FRIEDRICH GULDA: Ich weiß, daß gewisse Herren, die sich einbilden, von Musik furchtbar viel zu verstehen, Vorbehalte gegen meine Kompositionen haben, aber das Publikum gibt seiner Zustimmung lautstarken Ausdruck. Auch die Platten verkaufen sich gut. Ich pflege die Abrechnung meiner Tantiemen genau zu lesen. Also den Leuten gefällt’s. Seit die sogenannte Fachpresse das nicht mehr leugnen kann, sagt man, weil man mich, um konsequent zu sein, weiterhin schlecht finden muß, der Mann ist großartig, aber nur als Clown und als Possenreißer.

In einem Interview mit Klaus Geitel haben Sie Ihre Werke als ebenso gut wie die von Brahms, Mendelssohn und Schumann bezeichnet.

GULDA: Schaun Sie, ich muß ja meine Redeweise auf das Niveau meiner jeweiligen Gesprächspartner einstellen, in diesem Fall auf das Niveau des Herrn Kaiser...

Es war nicht Kaiser.

GULDA:... oder Geitel, was dasselbe ist. Das sind Leute, die leben in ihrem klassischen Ghetto. Eine andere Sprache verstehen die nicht. Wenn ich dem Kaiser sage, daß ich Keith Jarrett wichtiger finde als Horowitz, dann fragt der, wer ist Keith Jarrett.

Wissen Sie, daß Joachim Kaiser einer ihrer größten Verehrer ist?