Zum fünften Mal in diesem Jahrzehnt wird die Republik Irland am 15. Juni – gleichzeitig mit der Wahl der irischen Europa-Abgeordneten – ein neues Parlament wählen. Premierminister Charles Haughey löste vergangene Woche den Dáil, das irische Abgeordnetenhaus, ohne triftigen politischen Grund vorzeitig auf. Es scheint, als wolle er seiner Fianna Fáil-Partei endlich eine absolute Mehrheit verschaffen.

Buchmacher und Beobachter sind sich einig, daß Haughey sein eigener Nachfolger wird, doch trotz seines komfortablen Vorsprungs in den Meinungsumfragen ist ihm die absolute Mehrheit angesichts der Eigenheiten des irischen Wahlsystems keineswegs gewiß.

In den vergangenen zwei Jahren stand Haughey an der Spitze einer erfolgreichen Minderheitsregierung. Mit der Unterstützung der beiden großen, ebenfalls konservativen Oppositionsparteien kürzte er die Staatsausgaben dramatisch und senkte dadurch die Neuverschuldung des Staates. Die irischen Zinssätze haben sich seitdem erstmals von den britischen abgekoppelt und eine Erholung der einheimischen Wirtschaft ermöglicht. Die Zahlen der Arbeitslosen und Emigranten bleiben allerdings nach wie vor in schwindelnder Höhe.

Seit Beginn des Wahlkampfes haben die beiden konservativen Oppositionsparteien einen Pakt zur gemeinsamen Regierungsübernahme abgeschlossen, um den Wählern eine Alternative zu Haughey anzubieten.

Dieser Schritt vermag indessen nicht darüber hinwegzutäuschen, daß ihr Hauptziel unverändert darin besteht, Haughey die absolute Mehrheit zu verwehren. Sie verweisen dabei auf die populistischen Neigungen des schillernden Premiers und beanspruchen selbst das Verdienst, die Regierung während der letzten Legislaturperiode zur strikten Disziplin gezwungen zu haben. M.A.