Krefeld: „Peter Halley“

Geometrie als Zeitkritik. Das Quadrat als Gefängnis. Abstraktion als Reflexion über die Gegenwart und ihre gerasterten Lebenssituationen, zugleich als Abgrenzung von jener Moderne eines Mondrian, eines Newman oder Rothko, die den „Marsch in die Zivilisation“ der Leitsysteme begünstigte, weil sie die sichtbare Welt transzendiert und einen quasi religiösen Ersatz für deren Verlust angeboten habe. Peter Halley stellt seiner Arbeit solche Leitgedanken voraus. Er gehört zu den jüngeren amerikanischen Abstrakten der Gegenwart, die sich einer vordergründigen Einordnung in die Nachfolge der Klassiker widersetzen – auch wenn sie mit deren Mitteln und Möglichkeiten virtuos umgehen. Halley, 1953 in New York geboren und nach Studienzeiten an der Yale University, New Haven und in New Orleans dort auch ansässig, bedient sich der Geometrie ebenso zur Demonstration gesellschaftlicher Theorie wie zur „Kritik an der idealistischen Moderne“. Eine Ausstellung im Museum Haus Esters in Krefeld macht diesen Standort deutlich, indem sie Halleys Kommentare dem kleinen Katalog anvertraut und vor allem den Besucher wortlos damit konfrontiert, daß der Theoretiker Bilder von äußerster formaler Spannung zu malen versteht. Spannung entsteht aus Leere, Spannung entwickelt sich im Mit- und Gegeneinander minimaler Farbfelder. Spannung ist nicht zuletzt das Ergebnis raffinierter Farbregie und eines nicht minder präzise kalkulierten Einsatzes von Oberflächenstrukturen. Die Leinwände, kompakt gefügt, wirken als „Zellen“ oder als raumfüllende Wände; oft mehrteilig, bilden sie eine Einheit, deren Trennungen sichtbar bleiben. Schwarz, Grau, Weiß erscheinen als Grundfarben; der ruhigen Gliederung monochromer Flächen setzt Halley auch Streifen greller Leuchtfarbe entgegen – oder, als umgekehrte Konstellation, gibt er dem flirrenden Rot einer Bildwand eine Art Sockel einfacher roter und schwarzer Streifen. Die Reduzierung geometrischer Form entspricht der Konzentration auf dunkle Monochromie und schrille Effekte. Die Suggestion wirkt, der Betrachter ist gefangen zwischen den Wänden, die ihn zum Denken bringen sollen. Das ist intelligent gemacht, das erzeugt, auch ungeachtet aller Reflexion über unsere böse Welt, eine intensive Bildwirklichkeit – einfach im Auftritt, fast simpel bemächtigt sich die geometrisierte Inszenierung der Leere des Raumes. (Haus Esters bis zum 18. Juni, Katalog 10 Mark)

Ursula Bode