Das war sogar dem stockkonservativen Platow Brief zuviel: Der Versuch des Bundeskanzlers Helmut Kohl, seinen ehemaligen Pressesprecher Friedhelm Ost bei der noch staatseigenen DSL-Bank in Bonn unterzubringen, zeige „den Verfall der politischen Sitten bei der CDU“, schrieb der Informationsdienst.

Dieser Versuch des Kanzlers hat inzwischen groteske Züge angenommen. Erst sollte Ost auf den Chefsessel der Bank gehievt werden, doch eine informelle Anfrage bei der Berliner Bankenaufsicht blockte diesen Plan schon frühzeitig ab. Für einen solchen Posten sei Ost sicher nicht ausreichend qualifiziert, signalisierte das Amt. Gleiches gilt auch für ein einfaches Vorstandsmitglied Ost.

Dennoch ließ Helmut Kohl nicht locker. Am 6. Juni dürfte nun die Lösung präsentiert werden: Ost geht nach Luxemburg, als Mit-Geschäftsführer der dortigen Tochter der DSL-Bank. Da haben die Berliner Bankenaufseher nichts zu melden.

Die Wahl fiel nicht auf einen Insider des Gewerbes. Ausgerechnet vom Computerbauer IBM kommt der neue Chef der Werbeagentur GGK. Lutz Grüttke, Generalbevollmächtigter beim deutschen IBM-Ableger in Stuttgart, wird Nachfolger des 62 jährigen Paul Gredinger, der als einziger der drei Gründer (Gerstner, Gredinger, Kuttner = GGK) noch die Tagesgeschäfte leitet. Grüttke wird am 1. Juli sein neues Büro in London beziehen. Dort ist heute die Zentrale der 1959 in Basel gegründeten Gesellschaft mit ihren weltweit achtzehn Niederlassungen.

Doch so überraschend wie es auf den ersten Blick scheint, ist der Wechsel aus der Computerbranche in die Werbewelt nicht. Der 47jährige Grüttke, der zum engsten Zirkel um den deutschen IBM-Chef Olaf Henkel gehört, arbeitet seit zwanzig Jahren für den Computerbauer und hat „alle Jobs gemacht, die man in der Kommunikation in der Industrie machen kann“.

Mit GGK hatte er zwangsläufig immer wieder zu tun, denn die Agentur betreut IBM europaweit – aber auch die Swissair oder die Bundespost. Sie erfand die einst originelle Werbekampagne: „Ich trinke Jägermeister, weil...“ und schaltete erstmals für IBM mehrseitige Anzeigen: vierzehn Seiten hintereinander!

Was immer Gredinger tun mußte, um Grüttke zu locken, in einer Beziehung hatte er es leicht: Der Kandidat war schnell verfügbar. Bei IBM haben auch hochrangige Beschäftigte – wohl einmalig in der deutschen Industrie – ganz einfache Angestelltenverträge und damit nur sechs Wochen Kündigungsfrist zum Quartalsende.