Von Andrzej Szczypiorski

Schon seit Jahren höre ich Entsetzen erregende Geschichten über die Konflikte, die als Konsequenzen allzu großen Erfolgs auftreten, kann aber an ihren schmerzlichen Sinn nicht glauben. Ich halte sie für ein Element der Reklame, für einen unablösbaren Bestandteil der Erfolgsregie. Sechzig Jahre habe ich in einer Welt des Mangels gelebt, in einem Winkel Europas, der sicher ein besseres Los verdient hat, aber von der Geschichte unserer Zeit an den Rand gedrängt wurde, in Armut und Unfreiheit.

Ich will nicht behaupten, ich hätte in Vergessenheit und Stille gelebt. Die Existenz des Schriftstellers in einem Land stalinistischer Diktatur ist äußerst interessant und voller Überraschungen, von denen die Menschen des Westens im allgemeinen keine Ahnung haben. Besonders wenn der Schriftsteller versucht, sich der Diktatur entgegenzustellen.

Weder bin ich um das Gefängnis im eigenen Land noch um die Popularität in ziemlich breiten Gesellschaftskreisen herumgekommen. Doch hatte das jeweils den Charakter von Zwischenfällen und forderte meinerseits keine dramatischen Entschlüsse. Meine Wahl vollzog sich ganz normal. Als Schriftsteller erkannte ich einfach, daß ich den Kampf mit dem System der totalitären Diktatur aufnehmen mußte. Sonst wäre ich überhaupt kein Schriftsteller gewesen. Diese Entscheidung erforderte keine Entsagung, sondern Arbeit, die ich liebe und die mir Befriedigung verschafft.

Meine Waffen im Kampf mit der Diktatur waren meine Bücher, mehr nicht. Selbst als ich sie im Untergrund oder im Ausland erscheinen lassen mußte, als ich bereits ein geknebelter und von den Machthabern des allgegenwärtigen Staates umzingelter Schriftsteller war, erlebte ich keine schmerzlichen Dramen. Meine Werke hatten zwar eine begrenzte Reichweite, sie zu erwerben verlangte vom Leser Anstrengung und war mit Risiko verbunden, denn für die Verbreitung derartiger Literatur drohten Gefängnisstrafen; doch die Polen lieben das Risiko. Meine Bücher wurden gelesen, und die Leser bezeugten mir Anerkennung und Sympathie.

Ich führte mithin ein ziemlich stürmisches Leben, Unruhe und Angst suchten mich heim, wie das unter den Bedingungen der Bedrohung zu sein pflegt. Ich empfand mich aber nicht als Ausnahme. Ein ähnliches Los teilten mit mir andere polnische Schriftsteller, aber auch sehr viele Bürger meines Landes. Die einzigen Konflikte, die mich im Alltag begleiteten, ergaben sich aus der Natur des Schreibens selbst. Das ist eine banale Sache. Jeder Roman auf Erden bildet, wenn er etwas wert sein soll, das Resultat geistiger Spannungen. Meine Konflikte ergaben sich ganz einfach aus den Problemen schöpferischer Arbeit und verdienten deshalb das Mitgefühl meiner Nächsten nicht. Letzten Endes, wenn jemand unbedingt Künstler sein will, soll er sich doch plagen und andere Leute nicht behelligen.

Seit einiger Zeit aber sammelten sich Wolken um mich herum. Ich hatte nämlich einen internationalen literarischen Erfolg errungen. Für viele Menschen des Westens klingt das erfreulich, weil der Westen seine Zivilisation des Erfolgs mühsam errichtet hat. Ich aber wurde in einer anderen Philosophie erzogen. In der polnischen geistigen Tradition bedeutet der Erfolg wenig. Seit über 200 Jahren ist die polnische Geschichte vor allem eine Geschichte der Niederlagen und Fehlschläge. Wir halten uns für Pechvögel, und unser größter Erfolg ist es, den Mißerfolgen zu widerstehen. Eine Katastrophe überdauert zu haben, ist für den Polen Grund zu Stolz und Befriedigung. In einem Land, wo es der Traum vieler Millionen ist, einige Jahre unter den Bedingungen einer relativen Stabilität zu leben, hat der Erfolg andere zivile und moralische Dimensionen.