Von Elke Sturmhoebel

Würste, Seile und Regenschirme hängen von der Decke, die Luft ist verräuchert. In den Regalen stehen säuberlich sortiert Batterien von Flaschen: Brandy, Fernet Branca, Aguardiente, Sherry. Daneben stapeln sich Packungen mit Butterkeksen. Männer mit geröteten Gesichtern halten sich leicht schwankend am Tresen fest. Ihre Baskenmützen sehen aus, als würden sie auch noch im Bett getragen. In den Mundwinkeln kleben ihnen maisgelbe Gitanes. Richtige Kerle. Sie sind weinselig vom Muskateller, sanges- und spendierfreudig.

Der Alkohol ist billig in der Venta, einem Kneipen-Laden mit zollfreien Waren aus Spanien. Sie liegt in der Gemeinde Sare, an der Grenze zu Spanien. Vier offizielle Grenzübergänge gibt es hier, und zudem zahlreiche Schlupflöcher, die in dem unwegsamen Gelände der Pyrenäen kaum zu kontrollieren sind.

Sare gilt als Schmugglernest. Was denn eigentlich geschmuggelt werde, frage ich die Männer in der Venta. Na ja, so ziemlich alles, meinen sie mit verschmitztem Lächeln und tun geheimnisvoll. Waffen und Drogen natürlich nicht – Ehrensache. Gefährlich sei es trotzdem, brüsten sie sich. Eines Nachts hätte sich ein Kollege blutend in die Venta geschleppt – mit durchschossener Schulter.

Schon Kurt Tucholsky schrieb 1927 in seinem „Pyrenäenbuch“, daß unsagbar viel Tabak und Alkohol geschmuggelt werde. Daß sich das auch heute noch zwischen zwei EG-Ländern lohnen soll, kann ich mir kaum vorstellen. Vielleicht liegt das Schmuggeln einfach im Naturell der Basken, die stolz sind, geschäftstüchtig und eigensinnig. Vor allem, wenn es darum geht, den restlichen Franzosen mal zu zeigen, was für Kerle sie sind; wie es im Baskenland so ganz anders zugeht. Eine Art Sport scheint das Schmuggeln zu sein – ein Brauch, dem man treu bleibt.

Wir haben uns mitten in Saint-Jean-de-Luz einquartiert, einem quirligen Städtchen an der baskischen Küste – wohl der schönste Ort an der Côte Basque. Vor allem die alten Männer hier haben es mir angetan. Wie sie da auf den Bänken sitzen, mit ihren verwitterten Gesichtern, und ihren Baskenmützen, oder am Hafenbecken stehen und auf die Rückkehr der Fischer warten.

Von unserem kleinen Hotel aus ist es nicht weit zum Sandstrand und zum Hafen mit den dümpelnden Fischerbooten, in den allabendlich die Thunfischflotte heimkehrt. Auf dem Weg dorthin kommen wir an der hübschen Piazza vorbei mit den einladenden Cafés und den beiden Häusern, in denen die spanische Infantin Maria Theresia und Ludwig XIV. wohnten, bevor sie am 9. Juni 1660 vermählt wurden.