Von Wolfgang Welt

Über die Beatles sind mittlerweile eine Menge Bücher erschienen. Fast jeder Aspekt ihrer Biographie, von der Wiege bis zur Bahre, ist mal hagiographisch, mal ketzerisch ausgeleuchtet worden. Was fehlte, war ein Buch, in dem die unmittelbare Wirkung der Beatles beschrieben wird, nicht nur die auf Legionen von Musikern bis hin zu XTC und der Münchner Freiheit. Was es bisher – zumindest in Deutschland – nicht zu lesen gab, war eine Aufbereitung der sechziger Jahre im Zeichen der Fab Four, und nicht von Achtundsechzig.

Der norwegische Autor Lars Saabye Christensen unternimmt in seinem Roman „Yesterday“ den Versuch, die Geschichte von vier Beatles-Fans in jenen Jahren zu schreiben. Den Kapiteln setzt er den Titel des gerade aktuellen Beatles-Hits voran. Die Story beginnt mit „I Feel Fine“, also Anfang 1965. Kim, der Ich-Erzähler, hat drei Freunde, die er am Beginn John, Ringo und George nennt, während er selber am liebsten Paul McCartney wäre, der linkshändige Bassist, weil sein rechter Zeigefinger verkrüppelt ist. Die Bands der zweiten Liga werden zwar auch zur Kenntnis genommen, aber die Beatles waren nun mal, wer wollte das ernsthaft bestreiten, ganz oben. Da kamen auch die Rolling Stones nicht mit. Als die mal in der Stadt sind, juckt das die vier nur wenig. Sie hören lieber „She’s A Woman“ und gucken sich ihre ersten Pornos an, wobei sie sich über die rasierten weiblichen Geschlechtsteile wundern. Sonst aber spielen Mädchen noch keine Rolle, die Jungs sind ja auch erst dreizehn und spielen lieber Fußball als zu poussieren.

Wie die Beatles stammen die vier Norweger aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, die ausführlich beschrieben werden. Kims Vater ist Bankangestellter, der von Gunnar besitzt einen kleinen Krämerladen, den er später nach hartem Kampf aufgeben muß, weil ihn ein neuer Supermarkt kaputtmacht. Sebs Vater fährt zur See.

Diese Lebensumstände sind keinesfalls zerrüttet, wie es scheint, doch sie laden zur sanften Rebellion ein. Die Burschen fighten um jeden Millimeter längerer Haare. Sie beschließen, selber eine Band zu gründen. Ein Name ist schnell bei der Hand, The Snafus, und die Idee wird zwar bis nach dem Abitur verfolgt, aber nicht in die Tat umgesetzt.

Wie ein roter Faden ziehen sich die Songs der Beatles durch den Roman. Der Gang zur Schule wird immer schwerer, die Haare dürfen nun doch ein wenig über die Ohren wachsen. Und selbstverständlich wird das Kapitel nach „Revolution“ benannt. Jetzt tritt der mittlerweile anarchistische Stig in den Vordergrund, der auch seinen Bruder dazu bringt, sich politisch zu betätigen. Kim denkt zwar noch immer ans brennende Napalm, kann sich aber nicht entschließen, selber Flugblätter zu verteilen. Er privatisiert lieber, nun mit Cecilie, nachdem ihn Nina anscheinend für immer verlassen hat.

Einmal wird er doch aufgeschreckt, als Onkel Huberts Freundin in Paris niedergeknüppelt wird und er das im Fernsehen sieht. Am Tag der Arbeit laden ihn Cecilies ätzende Eltern zum Schmaus ein, damit Kim ihre Tochter nicht mit zur Demo nehmen kann. Auch jetzt gibt es keine Sex-Szenen. Cecilie bleibt unterkühlt.