Es war die reinste Trauerversammlung am Stammtisch in „Axel’s Bistro“, wo sie gerade trotzig „Wir wollen unseren alten Ronnie wiederhaben“ gröhlten. „Die Reagan-Ära ist endgültig vorbei“, gab ich zu bedenken.

„Darum sind wir ja so traurig“, jammerte Treublum, der einst an Reagan kein gutes Haar zu lassen pflegte. Sein Tischnachbar Giftzahn, der sich unrühmlich durch ein Pellkartoffel-Attentat auf den US-Präsidenten hervorgetan hatte, klagte: „Ich hätte nie geahnt, daß mir sein schalkhaftes Lächeln so fehlen würde.“

Kummerspeck, der uns manchmal zum Pfeilwerfen auf ein Reagan-Poster mitgenommen hatte, fand nun, den Tränen nahe: „Er war der beste Präsidentendarsteller, den uns Amerika gegeben hat.“

Pfeilspitz, der Reagan unermüdlich durch Cowboy-Cartoons verunglimpft hatte, hob sein Glas: „Auf den unvergeßlichen, unsterblichen Ronnie, dem wir alle so viele glückliche Jahre zu verdanken haben.“

Ballhorn (über sechzig abgefeimte Anti-Reagan Glossen auf dem Kerbholz) versicherte: „Wenn das möglich wäre – ich würde sie alle einstampfen lassen“, und Kolumnist Nörglein bekannte reumütig: „Diesen wunderbaren Menschen habe ich einst einen Faschisten und Kriegsverbrecher genannt!“

Kaltofen legte ihm tröstend den Arm um die Schulter: „Faß dich, Freund – er fehlt nicht nur uns. Was glaubst du, wie er Genscher fehlt! Ein Streit mit dem späten Ronnie wegen Raketen? Ausgeschlossen!“

„Und Gorbi erst, der muß sich doch ohne Ronnie vorkommen wie Castor ohne Pollux.“