Enya: „Watermark“ und „The Celts“.

New Age hat endlich eine Stimme. Bislang säuselte, zirpte und flirrte die Musik zur Krisenlösung in der Lebensmitte zumeist ohne Worte, als akustisches Placebo, als Endlostapete aus Soundmustern. Die Irin Enya, unter ihrem bürgerlichen Namen Eithne Ni Bhraonain eine Zeitlang bei der Folkgruppe Clannad tätig, fügt den Klängen, die die Seele weichspülen sollen, nun verhaltende Vokalisen hinzu. Sie gibt sich noch träumerischer als die Folk-Ätherikerin Judy Collins, ist längst nicht so mystisch-sinnlich wie Kate Bush und treibt so den New-Age-Minimalismus der sachten Klangberieselung bisweilen in ein arges Extrem. Auch der Soundtrack zur BBC-Serie „Die Kelten“, bereits 1986 eingespielt, schwirrt und girrt bedenklich wie Volks-Muzak. Immerhin haben nicht nur Hitstücke wie „Orinoco Flow“ oder „Evening Falls“ einen bizarren Reiz als Synthesizer-Trance-Balladen in modischer Pop-Manier, die die New-Age-Hohepriesterin dennoch wie Märchenweisen aus einer längst versunkenen Welt aufklingen läßt. („Watermark“: WEA 243 875-2; „The Celts“: BBC Records/Edelton EDL 2510-2) Barry Graves