Der Titel ist Handarbeit, in Applikationsstickerei schwingt er über das Cover des kompakten Heftes: Parkett. Die Zeitschrift, die so heißt und die jetzt den fünften Geburtstag feiert, nennt sich eine "Schweizer Kunstzeitschrift in deutscher und englischer Sprache". Womit auch schon eine Kurzcharakteristik gegeben ist für diese solide exotische Blüte im kleinen Wald der Kunstzeitschriften.

Parkett wolle, so hieß es im Aprilheft 1984, wichtige, aber noch nicht sichtbar gewordene Entwicklungen der Kunstszene vorstellen und diskutieren, vor allem aber nicht nur über Künstler berichten, sondern mit ihnen zusammenarbeiten. Und diese "Collaborations" genannten Schwerpunkte (bestehend aus einem Künstlerbeitrag, der auch in einer limitierten Vorzugsausgabe erscheint, und Kommentaren zum Werk dieses Künstlers) sind in der Tat auch das, was den besonderen Reiz von Parkett ausmacht. Denn in den "Collaborations" leben sich die Extreme aus, die sich sonst nicht berühren: der bedeutungsschwangere Theatermacher Robert Wilson (das ihm gewidmete Heft war ein Glanzstück) steht hier neben den Produzenten von "Meta-Schnickschnack" (so Parkett) Jeff Koons und Martin Kippenberger (die neueste Nummer); die wunderbare Grand Dame des Surrealismus Meret Oppenheim (ihre Spezial-Edition: ein paar mit violettem Siebdruck verzierte graue Ziegenlederhandschuhe) neben dem überfeiert überforderten Mario Merz (der keine kleinen Iglus oder Krokodile, sondern nur eine ganz normale Radierung lieferte); der kalifornische Profi-Konzeptuelle Ed Ruscha neben den Selbstdarstellern Gilbert & George.

Parkett ist voller seltsamer Rubriken und kurioser Etiketten, die, anders als es sonst üblich und gefordert ist, dem schnellen Leser überhaupt nicht sagen, wo es langgeht. Denn, was bitte soll man sich vorstellen unter "Insert" (Text- und Bildseiten, die zusätzlich zu "Collaborations" von einem Künstler gestaltet sind) oder "Cumulus" (ein kritischer Blick auf die Kunst- und Ausstellungsszene) oder "Balkon" (literarische Beiträge) oder den gelegentlichen "Infos du paradis" (kurze Berichte über einzelne Kunstereignisse)?

Ein Hauch von luxuriöser Narrenfreiheit liegt, so scheint es, über diesem Parkett made in Switzerland, das viermal pro Jahr erscheint, mit einer Startauflage von 2000 Exemplaren begonnen hat und inzwischen bei 8000 angelangt ist. Gemacht wird es von fünf Herausgebern, alle um die vierzig. Jeder hat "ein kleines Auto" in die gemeinsame AG, in der kein fremdes Geld steckt, investiert. Peter Blum (Büchermacher), Jacqueline Burckhardt (Restauratorin und Übersetzerin), Bice Curiger (Kunstkritikerin und Übersetzerin), Dieter von Graffenried (Ökonom und Jurist), Walter Keller (Volkskundler) haben sich im Spaß an der Arbeit zusammengefunden. Die Mitarbeiter werden bezahlt, die Herausgeber arbeiten gratis, das heißt: Sie können es sich auch leisten.

Natürlich greift, wer rundum dabei sein will in der Kunst, zur Zeitschrift art oder/und zu dem an thematischen Schwerpunkten orientierten Kunstforum. Und Minotaure, die legendäre Kunstzeitschrift der dreißiger Jahre, herausgegeben von Alfred Skira und Eduard Tériade, ist in Parkett vielleicht auch noch nicht wiedererstanden. (Das allerdings hängt wohl auch mit den Original-Beiträgern zusammen, die damals Picasso, Dalí, Rouault, Giacometti, Miró und Braque hießen.) Aber im immer turbulenter werdenden Kunstbetrieb ist Parkett eine kleine Oase.

Petra Kipphoff