Statt nützlicher Konzepte liefert die Wissenschaft nur Schlagworte

Von Klaus-Peter Schmid

Joseph A. Schumpeter ist ein vielzitierter Mann. Der 1932 in die USA ausgewanderte österreichische Ökonomie-Professor hat nämlich einen Unternehmertypus beschrieben, wie er heute besonders gefragt ist: den Pionier. Er ist der erfindungsreiche Mann, der mit Innovationen an den Markt geht und sich durchsetzt. Wer heute als "Schumpeter-Unternehmer" tituliert wird, darf sich etwas darauf einbilden.

Schumpeter, dessen bekanntestes Werk aus dem Jahr 1942 den Titel "Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie" trug, hatte dabei alles andere als enge Vorstellungen von Markt und Wettbewerb. Ihn genierte nicht einmal ein Monopol. Ganz im Gegenteil: Er sah darin sogar die beste Möglichkeit, Innovationen zu realisieren – und damit wirtschaftlichen Fortschritt.

Da kann es nicht erstaunen, daß Edzard Reuter, der Vorstandsvorsitzende der Daimler-Benz AG, seine Zuflucht bei Schumpeter sucht, um die Fu-’ sion seines Konzerns mit MBB zu rechtfertigen. Der größte Konzentrationsfall in der Geschichte der Bundesrepublik entspreche zwar nicht exakt dem geltenden Recht und den Schlüssen, die orthodoxe Marktwirtschaftler daraus ziehen. Doch dem Innovationsprozeß – und damit der deutschen Konkurrenzfähigkeit – könne die Bildung einer großen unternehmerischen Einheit nur nützen.

Blumige Prosa.

Die Zuflucht zu wissenschaftlichen Argumentationshilfen dürfte allerdings in der gegenwärtigen Debatte um die Konzentration in der Wirtschaft nicht weiterhelfen. Gerade im Bereich der Wettbewerbstheorie und -politik dreht sich die Entwicklung im Kreis. Staatssekretär Otto Schlecht, im Bonner Wirtschaftsministerium seit Jahren oberster Hüter der Marktwirtschaft, diagnostiziert enttäuscht: "Die alten Schlagworte kommen lediglich im neuen theoretischen Gewand wieder."