Begonnen hatte der Weg vom Wigwam zum Wohlstand im April des Jahres 1971. Ein junger Cree-Indianer namens Billy Diamond kurbelte beim abendlichen Campfeuer an seinem batteriebetriebenen Kurzwellenempfänger in der Hoffnung auf den Wetterbericht. Statt dessen hörte er zwischen dem Rauschen im Äther die Nachrichten der Canadian Broadcasting Corporation. Es waren schlechte Nachrichten: Robert Bourassa, der Ministerpräsident der Provinz Quebec, hatte soeben vor 5000 geladenen Gästen die Vertragsunterzeichnung für ein "Jahrhundertprojekt" bekanntgegeben. Am Nordostufer der James Bay baue der provinzeigene Energiekonzern Hydro Quebec eines der größten Wasserkraftwerke der Welt: acht riesige Staudämme, 203 Deiche, fünf Sammelbecken, die zusammen der Gesamtfläche der Großen Seen entsprechen. Fünfzehn Milliarden Dollar solle das Projekt kosten. "Um die geplanten Bassins füllen zu können, müssen sieben Flüsse umgeleitet oder gestaut werden."

Für den darauffolgenden Wetterbericht interessierte sich Billy Diamond nicht mehr. "Mir war, als trample mir plötzlich eine ganze Elchherde auf dem Kopf herum", erinnert er sich heute. Denn drei der Flüsse, die angezapft werden sollten, fließen durch das Land der Cree-Indianer.

Die Ureinwohner, die seit Tausenden von Jahren entlang der James Bay von der Jagd und vom Fischfang leben, hatte keiner danach gefragt, ob sie mit dem Bau des Wasserkraftwerks einverstanden seien. Hätte Diamond, damals gerade 21 Jahre alt und schon Chief, an jenem Frühlingsabend vor achtzehn Jahren nicht seinen Kurzwellenempfänger nach dem Wetterbericht angekurbelt, das James-Bay-Projekt wäre aus dem Boden gestampft worden, ohne daß die Indianer davon Wind bekommen hätten.

Für einen Stopp des Staudammprojektes war es zwar zu spät. Nicht aber dafür, sich die Unverfrorenheit der politischen Entscheidungsträger im nachhinein versilbern zu lassen. Billy Diamond beschloß: "Der weiße Mann muß bluten." Vier Jahre lang kämpfte er, inzwischen zum Grand Chief aufgerückt, gegen die Politiker in Quebec City und Ottawa.

1975 wurde das James Bay Northern Quebec Agreement unterzeichnet. Dieser Vertrag ebnete den Cree-Indianern im Norden von Quebec nicht nur den Weg zur Selbstbestimmung, sondern garantierte ihnen auch finanzielle Entschädigungen für Landansprüche und für die zu erwartenden Umweltschäden, die das Staudammprojekt mit sich bringen würde. Billy Diamond hatte für sein Volk 225 Millionen Dollar ausgehandelt – harte, kanadische Dollars, mit denen sich 7500 natives den Weg aus der Abhängigkeit von Ottawa freikaufen sollten. Der Häuptling organisierte zielstrebig den Marsch in die wirtschaftlich selbständige Zeit, Der massige Koloß, bei dem jahrelanges, hartes Trinken Spuren hinterlassen hat, konvertierte vom anglikanischen Glauben zur Pfingstgemeinde. Alkohol wurde fortan nicht mehr geduldet; der Chief bezeichnet sich heute als "vom Alkohol geheilt". Drei Viertel der rund 1500 Bewohner von Waskaganish zogen mit. Das Reservat, das in der Statistik von Indian Affairs noch vor zwanzig Jahren als "100 Prozent alkoholabhängig" geführt wurde, ist heute zu 75 Prozent trocken.

Gerissener Routinier Jetzt konnte Billy Diamond Nägel mit Köpfen machen: Alles, was von nun an geschah, sollte dem Volk der Cree-Indianer zugute kommen. Nicht in Form von Barem, sondern in Form von Dienstleistungen. Vor allem aber sollten Arbeitsplätze für die Cree geschaffen werden – bis heute etwa 2000. Der Band Council vergleichbar mit einer Gemeindeverwaltung, gründete die Creeco (Cree Regional Economic Enterprises Company), eine Holding, unter deren Dach nach und nach ein halbes Dutzend Firmen entstanden. Die Cree Construction Company etwa ließ die Wellblechhütten und Holzbaracken der Indianer abreißen und stampfte Hunderte von neuen Wohnhäusern aus dem lehmigen Boden der Reservate. Inzwischen sind die Bulldozer von Cree Construction längst nicht mehr nur dort im Einsatz, wo für Indianer gebaut wird. Die Firma hat ihren Sitz nach Montreal verlegt und verzeichnete im vergangenen Jahr mehr als 35 Millionen Dollar Umsatz. Allein bei Cree Construction fanden 300 Indianer Arbeit und Brot.

Doch die Baufirma war nur ein Anfang. 1982 gingen die Indianer in die Luft. Air Creebec wurde gegründet, eine Fluglinie, die mittlerweile über fünfzehn Maschinen verfügt, von der einmotorigen Cessna bis zur 48sitzigen Dash 7 (Stückpreis: zehn Millionen Dollar). Die fliegenden Nordländer setzen im Jahr zwischen 35 und 40 Millionen Dollar um. Air Creebec gilt heute als die gewinnträchtigste Airline im Nordosten Kanadas.