Nach turbulenten Gründerjahren entfernte sich Air Creebec immer mehr vom Image der tollkühnen Indianer in fliegenden Kisten. Heute beschäftigt Air Creebec 250 Personen, ein Viertel davon Ureinwohner.

Kaum wurde Billy Diamond von den kanadischen Medien als "Lee Iacocca des Nordens" gefeiert, da holte er zum nächsten Coup aus. Boote wollte er bauen. Sichere, zuverlässige Fischerboote, die sich seine Männer auch leisten konnten. Vor allem aber wollte er Boote bauen, die von Indianern für Indianer konzipiert sind. Jahrhundertelang war es die Hudson’s Bay Company, eine Handelsgesellschaft am Ufer des Rupert River, gewesen, die den natives Fischerboote verkaufte. Billy Diamond: "Der weiße Mann wußte zwar, wie man schöne, durchgestylte Boote baut. Aber er hat es nie fertiggebracht, Boote zu bauen, die so stabil sind, daß ihnen selbst das Packeis der James Bay nichts anhaben kann."

Diamond schickte den erfahrensten Skipper des Reservats ans Reißbrett und ließ das maßgeschneiderte Boot für den indianischen Fischer entwerfen: robust, im Ernstfall leicht zu reparieren, vor allem aber haltbar; anders als die Boote der Hudson’s Bay Company, die nach vier, fünf Jahren allenfalls noch als Brennholz fürs Campfeuer taugten. Billy Diamond wollte ein Fischerboot aus Glasfaser bauen.

Zunächst allerdings fehlte den Cree das technologische Know-how. Wie man Glaswolle zu strapazierfähigem Fiberglas verarbeitet, mußten die Indianer erst noch lernen.

Billy Diamond, durch ständigen Umgang mit hartgesottenen Geschäftsleuten selbst zum gerissenen Routinier avanciert, versuchte zunächst, etablierte Bootshersteller in Nordamerika für seine Idee zu gewinnen. Kanada winkte ab. Amerika faxte "Nein, danke" ins Reservat. Nur Japan zeigte Interesse. Diamond lud den Präsidenten des Tokioter Yamaha-Konzerns nach Waskaganish ein.

Und wieder ging Billy Diamonds Rechnung auf: Die Cree-Indianer, die in den Geschichtsbüchern des weißen Mannes immer nur die Verlierer waren, nie die Sieger – diese Cree schafften es, in ein Joint-venture mit einem japanischen Konzern einzutreten, der Jahresumsätze von vierzig Milliarden Dollar verbucht. Im März 1986 wurde Cree-Yamaha gegründet. Inzwischen sind rund 300 Boote der japanisch-indianischen Serie vom Stapel gelaufen. Hinter dem Lagerhaus, drunten am Rupert River, türmen sich indessen die Ladenhüter-Boote der Hudson’s Bay Company.

Der 16. Mai 1989 – ein Dienstag – ist für Chief Diamond in doppelter Hinsicht ein historischer Tag. Morgens wird ihm, dem Vierzigjährigen, sein erstes Enkelkind geboren. Sechs Stunden später, im schlecht klimatisierten band office erhebt sich Billy Diamond aus seinem Sessel und verkündet mit geschwellter Brust: "Schluß mit dem Lee-Iacocca-Gefasel. Ab heute ist Billy Diamond der Onassis des Nordens!"