Sprunghaft ansteigende Armuts-Kriminalität, Geschäftsplünderungen, gewalttätige Proteste, Demonstrationen, Tote, Ausnahmezustand zu Beginn der Woche – die Amtszeit des argentinischen Präsidenten Raul Alfonsín geht turbulent zu Ende.

Die Geschichte wiederholt sich nach einem bekannten Wort als Farce; aber Farce ist ein zu schwacher Begriff für die lateinamerikanische Realität. Zu oft haben Militärs von der Macht abdanken müssen und die Trümmer den Demokraten hinterlassen, die sie nicht beseitigen konnten; schließlich bot ihre Schwäche und ihr Versagen den Militärs wieder Grund und Vorwand zum Eingreifen. Ob Argentinien, Brasilien oder Peru: Die Demokratie hat jene soziale Stabilität nicht schaffen können, die allein auf Dauer ihr Überleben zu sichern vermag.

Es wird höchste Zeit, daß die lateinamerikanischen Demokraten aus diesem Teufelskreis Lehren ziehen und lernen, Verantwortung für wirtschaftliche Gesundung und soziale Gerechtigkeit zu übernehmen. Wer Trümmer erbt, kann keine Paläste versprechen, sondern muß Opfer und Arbeit verlangen, auch als Demokrat. Alfonsíns Nachfolger hat mit dem Versprechen gesiegt, er werde durch ein Wunder Wohlstand bewirken. Die Plünderer wollten oder konnten nicht so lange warten. An Demokraten glauben sie kaum noch – an Wunder schon längst nicht mehr. H.B.