Von Hanns-Bruno Kammertöns

In Moab ist der Mensch noch ganz bei sich selbst. Eine Hauptstraße, zwei Saloons, ein Krankenhaus, ein Friedhof, Moab ist kein Ort für Überraschungen. Wer hier als Tellerwäscher anfängt, der hört hier vermutlich auch als Tellerwäscher auf.

Aber es ist nicht diese glückliche Stille, die Moab so bemerkenswert macht. Die kleine Stadt in Utah ist geradezu umzingelt von einer apart-gigentischen Felsenwelt telegener Formen und Farben. Amerikanische Touristen, verwirrt von der Fülle der Ein-, Aus- und Durchblicke, sprechen gerade hier leise von God’s own country. Europäer, wesentlich aufgeklärter, kennen sich besser aus. Ein Blick in diese Gegend, und sie wissen, wo sie sind: Marlboro Country!

Ein Scherz? Sollten die Bewohner von Moab solches vermutet haben, so haben sich sich geirrt. Die Leute, die über den Großen Teich gekommen sind, meinen es ernst.

Wir sind im Stuntman-Museum von Moab. Es – ist, mit seinem kleinen Vortragssaal, eine Art Haus der Begegnung, kulturelles Zentrum der Stadt. Doch heute wirft kaum ein Besucher einen Blick in die Glasvitrinen mit den kostbaren Sporen und alten Stiefeln jener, die als Heldenvertreter Berühmtheiten wie John Wayne und Barbara Stanwyck doubelten. In den Bänken sitzen dichtgedrängt junge Männer in roten Jacken, die unter dem Eindruck des Augenblicks immer wieder begeistert lärmend applaudieren: Wir erleben die offizielle Begrüßung der Kandidaten für das „Marlboro Abenteuer Team 1989“. Dieses Schauspiel, bei dem vierzehn Männer unter Einsatz von Pferden und Motoren wettkampfmäßig durch Wüstenzonen eilen, erschließt sich Außenstehenden anfangs nur schwer. Es ist so etwas wie eine exklusive Querfeldein-Werberallye, der traditionell dieser letzte Auswahltest vorausgeht.

Meiner Pressemappe entnehme ich, daß es sich bei dem Redner um den Promotion-Manager handelt, wie es heißt, ein „Kreativer, der auch lachen kann“. Augenscheinlich ist diese Wertung nicht zu hoch gegriffen. Der Mann, selbst auch noch recht jung und gleichfalls rot gekleidet, wirkt gewissermaßen aus dem Stand lässig-dynamisch. Sein Pathos dosiert er geschickt: Von Herausforderungen ist die Rede, von der Natur, von Aufgaben, die man besser gemeinsam löst, von Fairneß und auch von Ehre. Doch das Lachen des Kreativen bleibt selbst in den stärksten Momenten seines Vortrags in Ansätzen stecken. Tribut an sein Amt? Folge der letzten Wochen?

In diesem Jahr bewarben sich mehr als 240 000 Männer um Aufnahme in das „Abenteuer Team“. Aber nur 34 durften mit ins Testcamp, was die Planung des Ereignisses merklich erschwerte. Telephonische Interviews, Checks und Gegenchecks, Fragebögen ohne Zahl („Können Sie schwimmen?“), schließlich die persönliche Vorstellung – und nun Moab, Stuntman-Museum. Ein Promotion-Manager und vor ihm die Glücklichen. Auserwählte in Ereignisnähe. Hungrige Mienen, entschlossene Gesichter, Deutsche, Belgier und Griechen, die sich in mediterraner Tradition schon tanzend stimulieren: Achtung, Abenteuer, wir kommen!