Das finnische Unternehmen Nokia tritt gegen die Großen der Branche an

Von Karl-Heinz Büschemann

Weil niemand im skandinavischen Nachbarland mit dem Namen des größten finnischen Industriekonzerns etwas anfangen konnte, ließ das Unternehmen aus Helsinki kurzerhand sämtliche Plakatwände des Landes zwischen der Hauptstadt Stockholm und dem Nordkap mit seinem Namen bekleben. Seitdem wußten alle Schweden, wie der größte Hersteller von Fernsehgeräten in Skandinavien heißt: Oy Nokia AB.

Das war vor zweieinhalb Jahren. Das wichtigste finnische Privatunternehmen hatte Ende 1984 zur allgemeinen Überraschung den schwedischen TV-Gerätehersteller Luxor aufgekauft und verspürte nun den Drang, den Schweden einmal klarzumachen, daß auch die in Skandinavien wegen ihrer vermeintlichen Rückschrittlichkeit meist mitleidig belächelten Finnen zu einem großen industriellen Erfolg fähig sind.

Der Schritt nach Schweden war für Nokia aber nur der erste. Die Finnen, die als Mischkonzern bislang in Skandinavien nur unter Wirtschaftsfachleuten einen klangvollen Namen hatten, aber in der Unterhaltungselektronik für das Konsumentenpublikum völlig unbekannt sind, haben es auf ganz Europa abgesehen, seit sie vor fünf Jahren in das Geschäft mit Fernsehern und Videorecordern einstiegen. Damals übernahmen sie den finnischen TV-Gerätehersteller Salora. Schließlich schluckten sie 1987 auch noch die französische Firma Oceanic.

„Wir wollen in Europa die Nummer eins werden“, betont selbstbewußt der Deutschland-Chef von Nokia, Matti Paasila. Die Nordländer greifen auf einem Markt an, auf dem bislang der niederländische Philips-Konzern gemeinsam mit Grundig sowie die französische Thomson-Gruppe neben den japanischen Anbietern das unumschränkte Sagen haben. Dann aber wird Paasila doch noch etwas genauer: „Wir wollen nicht beim Volumen Erster werden, aber in der mittleren und oberen Produktkategorie wollen wir führen.“

Bei solch selbstbewußten Tönen werden die etablierten Konkurrenten aufhorchen. Sie wissen selbst, daß auch sie auf dem europäischen Markt der Unterhaltungselektronik gegen die drängende Konkurrenz aus Japan und verstärkt auch aus Südkorea nur eine Chance haben, wenn sie besonders komfortable Geräte anbieten. Nur mit Bedienungsextras und besserem Design lassen sich die höheren Preise rechtfertigen, die die Europäer dringend brauchen, um überhaupt noch gegen die fernöstlichen Preiskämpfer Gewinne machen zu können.