Von Eva Marie von Münch

Kaum war die Berliner Justizsenatorin Jutta Limbach im Amt, hatte sie schon ein äußerst heikles Problem zu bewältigen: Was tun angesichts der Forderung hungerstreikender RAF-Häftlinge nach Zusammenlegung? Innerhalb weniger Wochen wurde sie zur prominenten Gegenfigur ihrer Kollegin aus München, der unerbittlichen Mathilde Berghofer-Weichner. Jutta Limbach plädierte für Verständigung, sie sprach persönlich mit den beiden in Berlin einsitzenden RAF-Frauen. An der friedlichen Beilegung dieser harten Konfrontation ist sie nicht unbeteiligt gewesen.

Wer ist Jutta Limbach? Die Akte, die das Zeitungsarchiv über sie bereithält, ist dünn. Geboren 1934 in Berlin, seit siebzehn Jahren Jura-Professorin dortselbst, seit 1962 SPD-Mitglied, seit 1987 Mitglied der Kommission für Innen- und Rechtspolitik beim Parteivorstand der SPD; dann das Streitgespräch im Spiegel mit Frau Berghofer-Weichner (CSU, Bayern), in der Welt mit Minister Remmers (CDU, Niedersachsen) und ein kurzes Portrait von ihr in der Süddeutschen Zeitung – Schluß.

In ihrem Amtszimmer in der Berliner Justizbehörde hängt ein Plakat von Miró, das für die Menschenrechte wirbt. Es steht in eigentümlichem Gegensatz zu den würdevoll gerahmten Stahlstichen an den anderen Wänden, die noch aus den Zeiten ihrer Amtsvorgänger stammen. Auf dem Bücherregal liegt eine Ausgabe der französischen Frauenzeitschrift Elle. „Die lese ich gern“, sagt die Senatorin, „die französische Elle ist viel feministischer als die deutsche Ausgabe.“

Eine Feministin im Berliner Justizressort also? Dieses Raster ist wohl zu grob. Ihr Engagement für Frauen und Frauenpolitik aber ist kräftig und ungebrochen. Am „Hexenfrühstück“ der Frauen des Berliner Senats nimmt sie vor jeder Senatssitzung regelmäßig teil. „Das dient“, so sagt sie, „der Selbstvergewisserung, prägt einen Umgangsstil, der nicht auf Konfrontation und Konkurrenz aus ist, sondern das Miteinander, die Suche nach der gemeinsamen Basis betont.“ Auf das Verhalten der Männner, so meinen die Frauen, ist das nicht ohne Einfluß geblieben. Möglich, daß der relative Frieden der Berliner rot-grünen Koalition hier eine seiner Wurzeln hat.

Über sich selbst schrieb Jutta Limbach vor Jahren: „Wenn ich aufrichtig bin, so kann ich keinen hindernisreichen Berufsweg nachzeichnen, den ich allein, mit eigener Kraft, geschlechtsdiskriminierenden Widrigkeiten trotzend, ... gemeistert hätte.“ Eher sei ihr Werdegang „das Ergebnis glücklicher Lebensumstände und Zufälle“.

Schon ihre Urgroßmutter war politisch aktiv und saß wegen majestätsbeleidigender Reden im Gefängnis, die Großmutter war Mitglied der Weimarer Nationalversammlung für die SPD. Zwar war ihre Mutter eine eher unpolitische Frau, doch in ihrem Elternhaus waren Bildung, Berufstätigkeit sowie soziales und politisches Engagement für Söhne und Töchter eine Selbstverständlichkeit. Ebenso selbstverständlich wollte Jutta Limbach immer beides haben: die Familie und den Beruf. Die Jura-Professorin ist verheiratet, hat drei inzwischen erwachsene Kinder, und wenn sie heute mit 55 Jahren überlegt, was sie wohl anders hätte machen sollen, dann sagt sie: „Ich hätte den Mut zum vierten Kind haben sollen.“