ZEIT: Herr Vargas Llosa, Sie sind ein in der ganzen Welt bekannter Schriftsteller; Ihre Bücher sind in viele Sprachen übersetzt worden. Was veranlaßt einen berühmten Autor dazu, sich in einen Politiker zu verwandeln? Noch dazu in einem Lande wie Peru und in einer Situation wie der jetzigen?

Vargas Llosa: Der Grund, weshalb ich mich aktiv in die Politik eingeschaltet habe, ist gerade die schwierige und vielleicht kritische Situation, die Peru zur Zeit durchmacht. Jeder weiß, daß wir uns in einer sehr ernsten Wirtschaftskrise befinden, mit einer ungeheuer hohen Inflation. Wir haben keine Devisenreserven mehr und haben allen internationalen Kredit verloren. Der Fall der Reallöhne ist dramatischer als in den meisten anderen lateinamerikanischen Ländern. Zwischen Dezember 1988 und März 1989 sind die Reallöhne der Arbeiter in der Privatindustrie um dreißig bis vierzig Prozent gesunken, die der Arbeiter im öffentlichen Sektor sogar um fünfzig bis sechzig Prozent. Gleichzeitig hat die Gewalt zugenommen; sowohl die politische als auch die kriminelle. Das schafft eine Atmosphäre von Unsicherheit, Mißtrauen und Unruhe im Land und trägt natürlich zur Kapitalflucht und zur Flucht von Fachkräften bei. Gleichzeitig haben wir aber seit 1980 ein demokratisches System. Es hat zwar eine Reihe von Mängeln, aber diejenigen unter uns, die glauben, daß es für Peru eine demokratische Entwicklung geben kann und soll, meinen, daß dieses System ein Faktor ist, den wir nicht aufs Spiel setzen oder zerstören lassen dürfen.

ZEIT: Welche Maßnahmen müßten Ihrer Meinung nach ergriffen werden, um der Krise Herr zu werden, die Peru zur Zeit durchmacht?

Vargas Llosa: Es gibt zwei Arten von Maßnahmen, um die Produktionsstruktur wieder herzustellen und dem Land Entwicklungsimpulse zu geben. Zunächst ein radikales, aber realistisches Stabilisierungsprogramm, das die unmittelbare Krise bekämpft. Das geht nicht ohne internationale Unterstützung; und dafür wiederum müssen Verhandlungen mit den internationalen Finanzorganisationen aufgenommen werden, damit wir wenigstens eine minimale Unterstützung erhalten, um die sozialen Kosten eines jeden Stabilisierungsprogramms etwas abmildern zu können. Zur gleichen Zeit aber müssen wir die Ursache der Krise an ihrer Wurzel bekämpfen.

ZEIT: Und was ist Ihrer Meinung nach die Wurzel der gegenwärtigen Wirtschaftskrise?

Vargas Llosa: Das ungeheuere Staatsdefizit, das die Ursache der Inflation ist. Es wird zum überwiegenden Teil von einem öffentlichen Sektor veruisacht, der seine Aufgaben nur sehr ungenügend erfüllt, der von Subventionen und von ungesunder Geldvermehrung lebt. Da die Produktion in Peru geradezu senkrecht gefallen ist, kann der Staat sich nur Einkünfte verschaffen, indem er Geld druckt. Damit hat man die Inflation auf die Höhe gebracht, wo wir sie heute haben. Wir meinen, daß diese Situation nach einer radikalen Reduzierung dieses ineffizienten öffentlichen Sektors verlangt. Wir brauchen Produktionsanreize, und alle diese Maßnahmen müssen von einer sozialen und wirtschaftlichen Reform begleitet werden, die vor alem die Verteilung von Eigentum unter denjenigen Peruanern zum Ziel haben sollte, die zur Zeit keines haben. Dafür muß man die gesamte Wirtschaft, die heute außerhalb der gesetzlichen Bestimmungen produziert, legalisieren. Immerhin stellt sie mehr als sechzig Prozent des Bruttosozialproduktes dar.

ZEIT: Ihre bisherigen Vorschläge betreffen nur die städtische Wirtschaft. Ein großer Teil der Peruaner lebt aber nach wie vor von der Landwirtschaft.