ZEIT: Welches Erbe hinterläßt Chomeini?

Steinbach Ein in jeder Weise unvollkommenes System. Die Wirtschaft ist ruiniert durch den Krieg. Und die Grundlagen des Systems islamischer Herrschaft sind erschüttert durch das Ableben von Chomeini.

ZEIT: Also hat Chomeini keine dauerhafte Veränderung des Iran bewirkt?

Steinbach: Doch, durchaus. Wir haben nun eine Islamische Republik anstelle des Schah-Regimes. Aber was diese Islamische Republik eigentlich ist, das ist völlig unklar, zumal jetzt, da man offensichtlich bemüht ist, die Verfassung zu ändern und die Gewichte innerhalb des Systems neu zu ordnen. Das ist eine riskante Phase des Übergangs.

ZEIT: Wer wird am Ende die Fäden der Macht in der Hand halten?

Steinbach: Nach Lage der Dinge scheint es so, als hätten einige Pragmatiker auf der mittleren Ebene der islamischen Geistlichkeit die Fäden in der Hand: Rafsandschani, der Parlamentspräsident, und Chamenei, der Nachfolger Chomeinis. Die Frage ist jedoch: Wie wird die hohe Ebene der Geistlichkeit darauf reagieren? Diese Herren haben sich abseits gehalten und warten nun auf ihre Stunde. Die hohe Geistlichkeit wird versuchen, ganz elementare Prinzipien der Lehre der Schia im Iran durchzusetzen, welche da lauten, daß ein Ajatollah der Führer des einfachen Schiiten, des einfachen Bürgers in allen Fragen des Lebens und der Politik ist. Diese Geistlichen sind bisher kaltgestellt worden.

ZEIT: Sie erwarten einen Streit zwischen Zentralisierern und Zerstückeiern der Macht?