Von Reinhold Rombach

Hubert Günter von der Bank in Liechtenstein (BIL) versteht es meisterhaft, auf dem schwierigen Börsenparkett alle Register seines Könnens zu ziehen. Mit sicherem Gespür ortete er die Favoriten von morgen und schätzte die Stimmungen an den verschiedenen Finanzzentren richtig ein. Die Wertentwicklung des Depots im ZEIT-Börsenspiel zeigt seine Leistung: über 50 000 Mark Gewinn in nur fünf Monaten auf das Startkapital von 100 000 Mark – ein wahrhaft respektables Ergebnis.

Zu einem Volltreffer scheint sich die von Hubert Günter gleich zu Jahresbeginn gekaufte Kaufman & Broad zu entwicklen. Die kürzlich vollzogene Umstrukturierung des Unternehmens nebst Aufsplittung der Altaktie in einen eigenständigen Lebensversicherungsbereich (Broad Inc.) und einen Immobilienteil (Kaufman & Broad Home) wurde von den Börsianern offenbar mit Begeisterung aufgenommen. Binnen fünf Monaten legten die beiden Aktien, bezogen auf die damalige Investitionssumme von 25 000 Mark, um stolze 65 Prozent zu. Besonders bei Kaufman & Broad Home scheint etwas im Busch zu sein, wie die Aktienexperten eine mögliche Übernahme bezeichnen. Hohe Umsätze in diesem Wert bestätigen diese Vermutung – allein am vergangenen Montag wurde rund eine dreiviertel Million Aktien in großen Blöcken gegenüber dem üblichen Handelsvolumen von etwa 400 000 Stück umgesetzt.

Aber auch fundamental ist dieser markante Kursanstieg untermauert. Bruce Karatz, Präsident der Kaufman & Broad Home Corporation, berichtete dieser Tage, daß allein im ersten Quartal dieses Jahres der Gewinn um fünfzig Prozent angestiegen sei. Für das gesamte Geschäftsjahr erwarte er deutlich höhere Profite als im Vorjahr, und dies trotz eines vergleichsweise hohen Zinsniveaus. Wenn dann noch die Zinsen in den Vereinigten Staaten – wie von vielen erwartet – sinken sollten, dürften die Ertragsschätzungen noch erheblich übertroffen werden, da ja bei niedrigeren Geldkosten erfahrungsgemäß mehr Immobilien gekauft werden. So mutig es klingt, eine Verdoppelung der eingesetzten Summe scheint in absehbarer Zeit durchaus im Bereich des Möglichen zu liegen.

Erfreuliches kommt auch von der Frankfurter Sparkasse. Mit seinem solide aufgebauten – rein deutschen – Depot gelang es Bernhard Kluge trotz anfänglicher Schwierigkeiten, ein mittlerweile doch ansehnliches Plus von gilt zwölf Prozent zu erwirtschaften. Nachdem der Deutsche Aktienindex (Dax) in den vergangenen Tagen auf einen neuen Jahreshöchststand kletterte, sollte auch hierzulande die freundliche Tendenz anhalten, zumal die deutsche Börse von der weiterhin guten Verfassung der Wirtschaft und den sich derzeit häufenden brillanten Unternehmensmeldungen stimuliert werden dürfte. Daran änderten auch die immer wieder aufkeimenden Zinsängste und Inflationsbefürchtungen nichts, so Kluge, zumal der stetigere Dollarkurs für eine Beruhigung an den Devisenbörsen sorgte, wodurch die Ausländer wieder am deutschen Markt als Käufer aufträten.

Falls die ausländischen Investoren tatsächlich wieder verstärkt an die deutsche Börse zurückkehren, prophezeit die Frankfurter Sparkasse gerade dem Optionsschein der Deutschen Bank eine gute Wertentwicklung, da jene traditionell die großen Standardwerte bevorzugen, allen voran eben die Aktien des größten deutschen Geldinstitutes. Der Optionsschein hat einen Hebel von zwei, das heißt rein rechnerisch: Legt die Aktie um zehn Prozent zu, verdoppelt sich beim Schein der Gewinn entsprechend. Kein schlechtes Geschäft, wenn die Strategie aufgeht. Gerechnet hat sich bislang schon der Kauf der IWKA-Aktien, die mit einem Plus von 12,66 Prozent zu Buche stehen. Es darf aber gleichwohl nicht vergessen werden, daß bei der damaligen Kaufentscheidung eine mögliche Übernahme mit einem reizvollen Angebot an die Altaktionäre einkalkuliert wurde. Eine solche Übernahme wurde jedoch durch die kürzlich verabschiedete Stimmrechtsbeschränkung auf zehn Prozent erschwert, denn dadurch werden ja Mehrheitsbeteiligungen für einen Unternehmenskäufer weniger attraktiv.

Schwer tut sich derzeit die DG Bank. Mit einem Fehlbetrag von 12 602 Mark auf das Anfangskapital agieren die Genossenschaftsbanker äußerst unglücklich, obwohl fast an allen Weltbörsen gutes Geld zu verdienen war. Bis auf Boss haben alle von Hans Joachim Stemann favorisierten Titel im Wert verloren. Beim Nippon Express Optionsschein – derzeitiger Verlust knapp über zehn Prozent – ist sogar ein noch deutlicheres Abgleiten zu befürchten. Die Stärke des US-Dollars in den vergangenen zwei Wochen und die politischen Querelen in Japan veranlaßten viele institutionelle Anleger, ihre japanischen Aktien abzustoßen. Besonders galt das für binnenmarktorientierte Titel, zu denen auch das Transportunternehmen Nippon Express zählt. Obwohl die Aktie selbst nur vier Prozent einbüßte, verlor der Schein etwa zweieinhalbmal soviel – ein gutes Beispiel dafür, daß sich die Hebelwirkung auch gefährlich auswirken kann. Dennoch sieht Hans Joachim Stemann noch keinen Handlungsbedarf. Ein Minus von zehn Prozent rechtfertige nicht einen Verkauf bei unverändert positiver Einschätzung des Unternehmens.