Roulett als Touristenmagnet: Die griechische Fremdenverkehrsbehörde plant den Bau von sieben neuen Spielbanken.

Gute Nachrichten für glücksspielbegeisterte Hellas-Touristen, die sich nicht mit Sonne, Meer und Altertümern begnügen wollen: Die staatliche griechische Fremdenverkehrsbehörde EOT plant, das Land mit einem dichten Netz von Spielcasinos zu überziehen. Bisher betreibt die EOT nur drei solcher Glückstempel – auf den Inseln Rhodos und Korfu sowie auf dem Gipfel des Berges Parnes in der Nähe Athens.

Weitere sieben Spielbanken sollen jetzt hinzukommen, um so touristisch bisher brachliegende Regionen zu erschließen. Aber auch der mit hohen Haushaltsdefiziten kämpfende sozialistische Finanzminister Dimitris Tsovolas erhofft sich von den staatlich betriebenen Casinos zusätzliche Einnahmen.

Als einer der neuen Standorte wurde die abgelegene nordägäische Insel Limnos ausgewählt, wo zu diesem Zweck ein neues 1700-Betten-Hotel entsteht. Rollen soll die Roulettkugel demnächst auch auf den Inseln Samos und Kreta, im Seebad Loutraki am Golf von Korinth und vor den Gestaden der Stadt Nauplia, wo die Fremdenverkehrsstrategen die Festungsinsel Bourdzi zu einem Spielerparadies umfunktionieren wollen.

Priorität aber hat die Eröffnung eines Casinos nahe der nordgriechischen Metropole Thessaloniki. Voraussichtlich soll es auf der Halbinsel Chalkidike entstehen, unweit der Mönchsrepublik des heiligen Berges Athos. Diese neue Spielbank soll nach dem Willen der EOT-Planer vor allem die einheimischen Glücksspieler anlocken, die ihre Drachmen derzeit ins benachbarte Ausland bringen. Das eine Autostunde nördlich von Thessaloniki gleich hinter der jugoslawischen Grenze gelegene Casino von Novi-Dojran beispielsweise wird zu 96 Prozent von griechischen Kunden frequentiert und erzielt Jahresumsätze von mehr als hundert Millionen Dollar. Auch die benachbarten Bulgaren locken viele Griechen in ihre Spielcasinos.

Einwänden, ausgerechnet die sozialistische Regierung fördere nun die ohnehin schon sprichwörtliche Spielsucht der Hellenen, will Tourismusminister Nikos Skoulas begegnen: Griechen erhalten nur Zutritt zu den neuen Casinos, wenn sie anhand ihrer letzten Steuererklärung ein Einkommen von umgerechnet mindestens 18 000 Mark jährlich nachweisen können. Bisher lag das Limit bei 8400 Mark.

Gerd Höhler