Die italienische Inselgemeinde Ischia verlor jetzt vor Gericht gegen die ehemaligen Besitzer eines enteigneten Waldgrundstücks – sie soll umgerechnet 37 Millionen Mark Entschädigung zahlen.

Dem Bauboom auf ihrer Insel im Golf von Neapel wollte die Gemeinde Ischia 1971 Grenzen setzen, indem sie einen fast sechs Hektar großen Wald enteignete. Nur so könne eine Verstädterung des Urlauberziels verhindert werden, glaubte die Kommunalverwaltung. „Die Menschen kommen zu uns, um in der Stille der Natur Erholung zu finden“, erklärt Bürgermeister Gianni Balestrieri. „Deshalb war es unsere Absicht, den Wald in einen Naturpark umzuwandeln.“

Den Eigentümern des 57 000 Qudratmeter großen Geländes, der wohlhabenden Familie Villari, konnte die Gemeinde jedoch nur magere 130 000 Mark Entschädigung zahlen. Die Villaris zogen vor Gericht – und bekamen jetzt, achtzehn Jahre später, Recht. Ischia soll ihnen umgerechnet 37 Millionen Mark nachzahlen.

Ein Gesetz der Region Kampanien gibt der Gemeinde zwar das Recht, der wild ins Kraut geschossenen Bauspekulation durch Enteignung zu begegnen. Zur Klärung der daraus folgenden gerichtlichen Auseinandersetzungen um die Entschädigung aber sagt das Gesetz nichts.

Eine günstige Lösung für Ischia schien zunächst gefunden, als die erste Instanz anerkannte, daß das umstrittene Gelände zum öffentlichen Park bestimmt, keineswegs aber als Bauland ausgeschrieben worden sei – und deshalb nicht teuer bezahlt werden müsse. Das oberste Verfassungsgericht hingegen erklärte jetzt, die Enteignung sei nur rechtens, wenn die Gemeinde den Marktwert der Grundstücke erstatte.

„Wenn diese Entscheidung nicht rückgängig gemacht wird“, klagt der Bürgermeister, „können wir unseren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen.“ Als erstes wäre die mitten in der Planung befindliche Kanalisation betroffen, aber auch die kommunalen Angestellten fürchten um ihre Gehälter.

In einem Appell an den Innen- und Justizminister in Rom erklärte die Gemeinde deshalb jetzt, daß das Urteil Ischia in den Ruin stürze.

Horst Schlüter