Der Strickwarenhändler Josef Autsch, ein quirliger Unternehmer, der Wochenmärkte in der ganzen Bundesrepublik mit seinen Waren beliefert, hat da weniger Skrupel. Vor dem Hattersdorfer Tor, dem Stadttor in nordwestlicher Richtung, besitzt er eine große Wiese in schöner Hanglage, von der aus man einen herrlichen Blick auf das Altstadt-Ensemble genießen kann.

Campingplatz mit Kegelbahn

Seit einigen Monaten sind dort Planierraupen zugange – die Erdarbeiten für Autschs Campingplatz, der erste im ganzen Kreis Coburg. Ein toller Platz wird das, mit Ferienhäusern, einem Schwimmbad, einer Kegelbahn, einem Restaurant, mehreren Gästezimmern, rund hundert Stellplätzen für Wohnwagen und einer kleinen Ecke für Rucksacktouristen. Schon jetzt könne er sich vor lauter Vorbestellungen für einen Dauerplatz kaum retten, sagt Autsch. Auch der Herr Landrat war neulich mal da und ließ sich vormerken. Die Wiese unmittelbar davor gehört der Sparkasse, hat Autsch jetzt erfahren. Die will er nun auch gern haben. "Da mach’ ich dann einen Parkplatz drauf", sagt er.

Doch kaum hat sich das Städtchen herausgeputzt und auf sich aufmerksam gemacht, da folgt schon die erste Hiobsbotschaft auf dem Fuße: Der Zweckverband für Abfallbeseitigung in Nordwest-Oberfranken beschloß, im Seßlacher Ortsteil Muggenbach eine Sondermülldeponie für die Schlacken und Filterstäube des neuen Coburger Müllheizkraftwerks einzurichten. Zwar muß noch das Planfeststellungsverfahren abgewartet werden; sollte es zu demselben Votum gelangen, will die Stadt Seßlach dagegen klagen. "Muggenbach ist der höchste Punkt im ganzen Stadtgebiet", sagt Frank-Jürgen Sonntag von der Stadtverwaltung. "Wenn da mal was bricht, läuft das alles runter." Hinzu komme, so Sonntag, daß in Bayern als einzigem Bundesland Filterstäube aus Müllheizkraftwerken nicht als Sondermüll, sondern als normaler Abfall behandelt würden. Ob Franz Josef Strauß solche Dinge gemeint hat, als er den Seßlachern zu ihrem 650jährigen Stadtjubiläum vor vier Jahren ins Stammbuch schrieb: "In den folgenden Jahrhunderten verliefen die großen Linien des politischen und wirtschaftlichen Kräftespiels zwar zumeist an der Stadt vorbei, die Heimsuchungen jedoch machten selten vor ihren Toren halt"?