Von Barbara Ungeheuer

Italien hat jetzt einen Berg weniger", pflegte Leona Helmsley zu sagen, wenn sie ihre bevorzugten Gäste wie Imelda und Ferdinand Marcos oder Adnan Kashoggi in das dreistöckige Penthouse ihres Palastes führte. Eine der seltenen Untertreibungen aus Leonas Munde. Denn wer von der Madison Avenue über die marmorne Plaza zur Pforte des "Helmsley Palace" schreitet, blickt auf Carrara-Stein, soweit das Auge reicht: Rosa glänzen die Kaminumrandungen, und Kristalleuchter illuminieren die lachsfarbenen Marmorwände, die New Yorks imposanteste Hotelhalle tragen. Daß auch alle Bäder in den über tausend Hotelzimmern und Suiten aus grauem Marmor sind, darauf hatte Leona bestanden, bevor sie sich von ihrem Mann Harry nach der Einweihung 1980 zur Hotelpräsidentin ernennen ließ.

Neun Jahre später ist Leona Helmsley ebenso berühmt wie der Palast, "wo die Königin selber Wache steht". Unter diesem Motto hatte Leona, die Tochter eines Hutmachers aus Brooklyn, ihre Werbekampagne für das neue Luxushotel im Herzen von Manhatten gestartet. In Goldbrokat und mit silberner Tiara stellte sie sich der Kamera vor dem Löwenwappen der schmiedeeisernen Eingangspforte.

Tausendmal photographiert und gefilmt, gehörte Leona Helmsley bald zu den Wahrzeichen der Stadt, wie das Empire State Building und die Freiheitsstatue. Und wenn sie zur Geburtstagsparty für ihren Harry einlud, dann tanzte le tout New York nach ihrer Pfeife. Bürgermeister Koch, Brooke Astor, auch einige Rockefellers, wer eben Rang, Namen und viel Geld besitzt, hatte das Lied zu singen, das inzwischen auch jeder New Yorker auswendig kann: "I am just wild about Harry ..."

In dieser Stadt der Maßlosigkeit machte Leona gute Figur, denn eine exzessive Selbstdarstellung gehört dort zum Erfolgsrezept. Um so schockierender war dann die Nachricht vom April letzten Jahres, daß die Gastgeberin zusammen mit ihrem gorgeous Harry vor den Kadi zitiert wurde. Steuerhinterziehung und Erpressung in großem Stil führte die vielseitige Anklageschrift auf. Es wird ihnen vorgeworfen, daß sie zum Beispiel Möbel und Kunstwerke, die allesamt in Leonas diversen Privathäusern gelandet waren, als Geschäftsanlagen des Hotels verbuchten.

Genauso rasant wie die einstige Immobilienmaklerin ihren Thron im Reich des Hotelgewerbes usurpiert hatte, wurde sie nun gestürzt, vor allem von der plötzlich gar nicht mehr untertänigen Regenbogenpresse. Die Königin mußte vordankt aus dem Rampenlicht treten. Doch abgedankt hat sie noch lange nicht.

Auf den Prozeß, der im Mai stattfinden sollte, müssen sich die New Yorker weiter Vermögen Denn wem, wie den Helmsleys, ein Vermögen von 1,5 Milliarden Dollar zur Verfügung steht, der kann der Rechtspflege so manches Schnippchen schlagen. Harry ließ sich bereits im vergangenen Herbst für nicht vernehmbar erklären. Seine geistige Notlage war dann auch evident geworden, nachdem er letztes Jahr dem New York Hospital 33 Millionen Dollar für seine Alzheimer-Recherchen spendierte.