Von Heinz-Günter Kemmer

Rudolf Escherich und Werner Lamby, die beiden Oldtimer im Vorstand der Viag, schwiegen strikt. Obwohl sie sich mit der Deutschen Bank darauf verständigt hatten, mit Beginn des nächsten Jahres das Duisburger Handelshaus Klöckner & Co zu übernehmen, hielten sie in der Bilanzpressekonferenz ihres Unternehmens am vergangenen Donnerstag eisern dicht, weil vor den Journalisten die Aufsichtsräte und die leitenden Mitarbeiter von Klöckner & Co informiert werden sollten.

Am Montag danach mußte Lamby seine Freude dann nicht länger verbergen. Gemeinsam mit Jörg Henle, dem Chef von Klöckner & Co, und Ulrich Cartellieri vom Vorstand der Deutschen Bank erläuterte er in einer Pressekonferenz das Geschäft, das für die Viag glänzend sein muß. Zwar schwiegen sich Verkäufer Cartellieri und Käufer Lamby beharrlich über den Preis aus, er ist für die Viag aber wohl sehr attraktiv.

Denn für die Deutsche Bank, die Klöckner & Co im November vergangenen Jahres nach einem Desaster im internationalen Ölgeschäft übernommen hatte, war der ideale Käufer nicht der, der das meiste Geld zu zahlen bereit war. Vielmehr sei wichtig gewesen – so versicherte Cartellieri –, daß die Beziehungen zwischen Klöckner & Co und dem Stahlunternehmen Klöckner-Werke AG ungetrübt blieben.

Dieser Wunsch ist um so verständlicher, als die Deutsche Bank mehrfach rettend eingegriffen hat, als der Stahlkonzern auf der Kippe stand. Ihm jetzt durch Verkauf des Handelshauses an einen Konkurrenten die Absatzbasis zu entziehen, hätte aber möglicherweise den Todesstoß bedeutet. Schon deshalb waren die Gerüchte, die Bank wolle Klöckner & Co an die British Steel Corporation verkaufen, wenig glaubwürdig.

Wenn die größte Bank der Republik auf Gewinnmöglichkeiten verzichtet hat, ist das freilich nicht reiner Edelmut. Sie kann es sich vielmehr vor einer zunehmend kritischen Öffentlichkeit nicht leisten, aus der Rettungsaktion mit einem „unanständig“ hohen Gewinn herauszukommen. Denn das würde auf der einen Seite den Kritikern der Bankenmacht Wind in die Segel blasen, auf der anderen aber auch Zweifel daran wecken, daß sich für Klöckner & Co kein anderer Ausweg bot, als sich den mächtigen Bankiers bedingungslos zu ergeben.

Die Formel, nach der die Bank rechnet, sieht so aus: Sie will die 400 Millionen Mark wiederhaben, die sie bei Klöckner eingeschossen hat, sie will ferner die 100 Millionen Mark haben, mit denen die Genußscheininhaber von Klöckner – ohne jede rechtliche Verpflichtung übrigens – entschädigt werden sollen, und sie möchte eine „Zitterprämie“ kassieren. Was da recht und billig ist, hängt natürlich vom Ausmaß des Zitterns ab, das aus heutiger Sicht nicht sonderlich groß war.