Von Ulrich Schmidt

Ob ich das Hotel oder die Zeitung meine, fragt mich der Taxifahrer am Bahnhof von Schwenningen Offenbar ist der Name „Neckarquelle“ recht verbreitet in dieser hübschen kleinen Stadt am Ostrand des Schwarzwaldes, vierzig Kilometer östlich von Freiburg Die Frage jedoch, wo sich die eigentliche Neckarquelle befinde, scheint die Schwenninger nicht zu interes sieren „So was haben wir hier nicht“, behauptet gar der Taxifahrer, und der mußte es eigentlich wissen, denn er fahrt hier „seit zwanzig Jahren“

Eine altere Dame am Straßenrand kann uns immerhin die ungefähre Richtung angeben Drei weitere Befragungsversuche fuhren mich schließlich zu einem parkähnlichen Gelände und zu einer Weggabelung mit dem Schild „Naturschutzgebiet Schwenninger Moos und Ursprung des Neckars

Aber wo ist der Ursprung? Ich wähle auf gut Gluck den rechten der beiden Wege und komme nach zehn Minuten Wanderung durch urwuchsig-romantische Moorlandschaft zu einem weiteren Schild am Ufer eines Weihers, das wiederum, doch diesmal mit vorangestelltem Genitiv, „des Neckars Ursprung“ bezeichnet Man muß ihn sich wohl irgendwo in diesem Wasser denken Im offiziellen Stadtführer ist zwar das Schwenninger Moos ausführlich beschrieben, der Neckarursprung aber mit keinem Wort erwähnt

Dagegen lese ich in diesem Fuhrer unter der Uberschrift „Neckarquelle im Stadtpark Moglingshohe“, daß 1581 Herzog Ludwig von Württemberg in dem heutigen Stadtpark einen Stein habe setzen lassen mit der Aufschrift „Da ist des Neccars Ursprung“

Es folgt des Neckar-Entdeckungs-Abenteuers zweiter Teil Wieder Durchfragen, verlegenes Achselzucken, unklare Auskünfte Auch dieser Ort, zwei Kilometer nördlich von dem Schild am Weiher und etwas tiefer gelegen, ist den Schwenningen! offenbar unbekannt

Dabei ist die Anlage nicht zu ubersehen Wie in einem Bilderbuch von Ludwig Richter plätschert blitzblankes Wasser in ein wohlgeformtes Brunnenbecken und fließt dann als schmales Rinnsal über das Steinpflaster sanft talwarts in den Stadt parkteich Dort lese ich an einem Aushang Neckarquelle Nr 204“ Das ist nun wieder die Zeitung, mit einem Artikel über die Neckarquelle