Das Satellitenfernsehen kommt bei den Zuschauern bisher nicht an

Von Wilfried Kratz

Was ist der Unterschied zwischen dem Monster von Loch Ness und Sky Television? Antwort: Einige wollen das sagenhafte Reptil schon einmal gesehen haben. Scherze dieser Art müssen sich die Leute von Sky gefallen lassen, denn vier Monate nach dem Start des britischen Satellitenfernsehens vom Astra-Himmelskörper ist die Präsenz dieses neuen Mediums noch so gut wie unsichtbar. Nur sehr zögernd trennen sich die Briten von wenigstens 800 Mark um Antenne und Empfänger anzuschaffen. Rubert Murdochs Sky TV, Matador und mit vier Kanälen größter Benutzer des Astra-Satelliten, hat aber bis zum nächsten Frühjahr das Feld für sich allein, um die Kunden zum Kauf zu veranlassen. British Satellite Broadcasting (BSB) hat nämlich den für September geplanten Start seines konkurrierenden Angebots auf drei Kanälen um wenigstens sechs Monate verschoben Dieser einzigartige Wettbewerb zweier technisch unvereinbarer Systeme, ausgetragen von zwei mächtigen Medien-Gruppen, ist also aufs nächste Jahr vertagt.

Großbritannien tann sich rühmen, einer der Wegbereiter des Fernsehens zu sein. Die BBC beginn erste Sendungen 1936. Aber Sateliten-Television erreichte die Insel spät. Einer der Gründe ist die äußerst schwache Verkabelung der Haushalte und damit die nur geringe Möglichkeit, Sat-Programme in Kabelnetze einzuspeisen. Die konservative Regierung Thatcher projizierte in ihren ersten Amtsjahren die Vision eines verkabelten Landes, dessen Bürger am Draht der neuen Informationstechnik hängen, die eine Fülle neuer Dienste bietet.

Wenig Kabel-Anschlüsse

Die tatsächliche Entwicklung ist sehr viel gemächlicher verlaufen. Der privatisierte Konzern British Telecom, der Monopolist des Telephonnetzes, ist frei von staatlicher Investitionslenkung und trifft seine Entscheidungen unter kommerziellen Gesichtspunkten. Das Verle-. gen von Netzen mit Breitbandkabeln oder Glasfasern hat keine Priorität. Es gibt also keine Bundespost, welche die kostspieligen Vorleistungen unternimmt, ein Umstand, den die Labour Party mit dem Versprechen ändern will, British Telecom wieder unter staatliche Kontrolle zu nehmen, camit sie ein nationales Breitbandnetz verlegen kann.

Es gibt auf der Insel elf Betreiber von lokalen Kabelnetzen, denen gerade 60 000 Haushalte angeschlossen sind. Zwar hat sich in der letzten Zeit das Interesse an diesen Lizenzen belebt. Vor allem amerikanische Kabelunternehmen studieren die Chancen, sich um Lizenzen zu bemühen, bevor das Gesetz geändert wird. Aber in der Branche wird argumentiert, die Regierung bremse die Entfaltung durch ein geplantes restriktives Reglement, zum Beispiel die vorgeschriebene Trennurg zwischen dem Eigentümer eines Netzes und den Unternehmen, welche die Dienste anbieten. Ein weiterer Dämpfer ist die Annahme, den potentiellen Kunden sei ein Kabelanschluß um so schwieriger zu verkaufen, je mehr Leute Sat-TV direkt aus der Luft empfangen können.