Von Franziska Augstein

Früher war die Bundesbahn noch zuverlässig, resistent gegen den Wandel von Trends und Moden. Mochte die ganze Welt – und wir mit ihr – in Eile sein, von einem Stil zum nächsten, von einer Stadt zur anderen: Immer gestatteten die farblosen, muffigen Bahnabteile der D-Züge den erschöpften Reisenden ein Ausruhen in der Zeitlosigkeit.

Das ist nun vorbei. Wer heute zwischen Flensburg und Konstanz mit dem InterRegio fährt, kann – gemäß der Außenlackierung des neuen Regionalzuges – sein strahlend blaues Wunder erleben. Die Bundesbahn schäkert mit dem Zeitgeist: ergonomische Sessel, Sitzgruppen, Sitzreihen und Fünferabteile im Wechsel, das sogenannte "Bistro Café", abgehängte Kunststoffdecken, das türkisfarbene WC – wohin man sich auch wendet, überall ist jemand kreativ gewesen.

Karl-Dieter Bodack, Abteilungsleiter des "Design-Centers" der Bundesbahn in München, versteht nur Bahnhof. "Länger als zehn Jahre", sagt er, "kann ein Design nicht halten. Das ist doch klar."

Anläßlich einer Probefahrt im InterRegio hat der Diplomingenieur sich eigens nach Hamburg bemüht. Man kann ihn leicht erkennen. Der 52jährige gebürtige Stuttgarter mit der Pilzkopffrisur sieht aus wie sein Zug: blau. Anzug, Hemd, Schlips und Schal: dunkelblau, strahlend blau, graublau, lilablau – wie der InterRegio.

Seit 1972 hat Bodack für ein neues Design der D-Züge plädiert. Und wenn er nicht in Reiner Gohlke, dem Vorstandsvorsitzenden der Bahn, einen Mentor gefunden hätte, sagt er, dann würde es den InterRegio immer noch nicht geben.

Mitte der achtziger Jahre hatte Bundesbahnchef Gohlke ein Problem. Das war ein kostenintensives Ausbesserungswerk im oberpfälzischen Weiden. Das gleichfalls in Weiden ansässige Kunststoffwerk der Flachglas AG war ebenfalls unrentabel. Und die Politiker der Region gedachten mit Unbehagen der drohenden Arbeitslosigkeit von über tausend Wählern.