Unglaublich langsam, so scheint mir, durchqueren wir die Beatenbucht, laufen einen einsam gelegenen Holzsteg an; Station für Passagiere, die mit der Bergbahn zum Niederhorn wollen. Wanderer winken vom Ufer. Sie werden auf dem Seerundweg zu den Beatushöhlen unterwegs sein, ins Labyrinth der Tropfsteingrotten hinabsteigen. Der heilige Beatus soll dort gelebt und – zum Wohle der ganzen Gegend – einen fürchterlichen Drachen niedergestreckt haben. Die kühne Tat zeitigt noch heute Folgen. Welcher Tourist traute sich sonst in die Höhlen?

Blitzblank, putzig an den Seerand gedrückt, angeln die Orte Faulensee, Merligen, Leissigen, Därligen nach Feriengästen. Idyllen wollen sie sein. Interlaken, der "Kurort von Weltruf", liegt zwischen dem Thuner- und Brienzersee, nahe am Fuß der Jungfrau. Endstation der Schiffsreise. Alles steigt aus. Konsterniert blicke ich in die Runde. Diese vielen Hotels! Altes und Neues vermengt. Soll das der Ort sein, in dem sich der "Gast sofort heimisch fühlt" (Prospekt)? Mit Hirtenfesten der Schweizer Alpbauern hatte es 1805 begonnen. Ein Heimatkünstler malte die volkstümlichen Feiern. Die Bilder erweckten Neugier. Erste Gäste kamen, die sich an unverfälschtem Brauchtum ergötzten.

Und jetzt? Rasende Autofahrer, Bars, Discotheken, Lärm, Gehaste. Die Schweizer Rätselfreunde erbarmen sich meiner "Lassen Sie sich nicht täuschen! Was Sie sehen, ist Fremdenverkehrs-Kulisse. Interlaken hat wonnige Winkel." Die hilfreichen Schweizer weisen mir den Weg. Glück gehabt!

Es wäre auch zu schade gewesen, das Abenteuer Thun mißstimmig beenden zu müssen. Denn schließlich war ich – im Geiste natürlich – auf den Mönch geklettert, habe Beatus in der Grotte heimgesucht, in der jahrhundertealten Schloßküche zu Spiez den Plättliboden geschrubbt und den Thunern das Banner im Burgunderkrieg vorangetragen. Kann man mehr tun, um dem Genius loci auf die Schliche zu kommen?