Oft beschwört die britische Premierministerin eine „besondere Beziehung“ zwischen Großbritannien und den USA. Politisch mag das fragwürdig sein – auf der menschlichen Ebene aber gibt es sie wirklich. Wir sprechen mehr oder weniger die gleiche Sprache. Und in Großbritannien leben zur Zeit sicherlich 100 000 Amerikaner – nicht mitgerechnet die circa 30 000 Soldaten.

Es sind Geschäftsleute und Anwälte, Wissenschaftler, Künstler, Leute aus dem Showbusiness und den Medien. An der Universität zu Oxford hat traditionsgemäß mindestens ein Amerikaner die Leitung eines Colleges inne. In meiner Häuserreihe in Hampstead gibt es mindestens fünf amerikanische Haushalte, darunter einen Anwalt mit einem halben Dutzend sehr lauter Kinder (Spezialität: Nachbarn foltern mit lauten Skateboards), einen dressman und mehrere Universitätsangestellte. In der Untergrundbahn zur City werden Wall Street Journal und International Herald Tribune gelesen.

Die interessantesten Amerikaner in England sind natürlich die, die in völlig britischen Berufen etwas Amerikanisches zum nationalen Leben beisteuern. Wie Bob Borzello, der 1966 nach London kam, eine Engländerin heiratete und schließlich mit seinen Ersparnissen aus einer Zeitung, die er in Chicago geleitet hatte, ein kleines Druck- und Verlagsunternehmen mit dem Namen Camden Press gründete.

Eines der Dinge, die ihn an England schockierten, war der offene Rassismus der Zeitungen. „Ich hatte vor allem etwas dagegen“, sagt er, „daß in der Beschreibung von Kriminellen immer dann die Hautfarbe hervorgehoben wurde, wenn diese schwarz war, wie: ,.. ein schwarzer Mann lief vom Tatort weg‘.“ In amerikanischen Zeitungen würde niemand durch Rasse oder Hautfarbe identifiziert.

Mr. Borzello schrieb also Beschwerdebriefe an den Presserat, den ziemlich zahnlosen Wachhund des Zeitungswesens. Nach ungefähr neunzig Briefen (allein vierzehn in einem Jahr über den Daily Telegraph, der mit Vorliebe an die Vorurteile von Vorortbewohnern appelliert) erließ der Presserat Richtlinien, nach denen Hautfarbe, Rasse oder ethnische Herkunft nicht in abwertender Form erwähnt werden dürfen, es sei denn, sie seien relevant für das Geschehen.

Derzeit kämpft Borzello gegen so anschauliche Bezeichnungen wie Rastafarian oder dreadlocked, die jemanden deutlich als Schwarzen mit langen verfilzten Locken aus der Karibik kennzeichnen sollen. Einmal im Jahr fährt er nach Hause in die USA. An London hat er sich noch nicht gewöhnt: „Der Müll ist unerträglich. London dürfte die ekelhafteste Stadt sein, die ich kenne.“

Auf der anderen Seite des Zauns, in englischen Zeitungen, sind Amerikaner rar. Einer der wenigen, die dort bis in die obersten Etagen vorgedrungen sind, ist Matthew Hoffman, Leserbriefredakteur des Independent.