Auch der Laden bei mir um die Ecke hat jetzt seine Einkaufswagen umgerüstet. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Körbe auf Rädern kreuz und quer vor der Packtheke standen und den Ausgang blockierten, bis sich jemand erbarmte. Jetzt stehen sie, verbunden durch Schnappschlösser, wie stählerne Tausendfüßler in Reih und Glied, und das wilde Durcheinander hat ein Ende.

Die Ordnung hat ihren Preis: Ein Pfand von einer Mark ist in den Schlitz einer Plastikschiene zu stecken, die Schiene wird nach rechts geschoben, und „klick“ löst sich die Eisenkette, die jeweils zwei Wagen miteinander verbindet.

Die neue Technik ist mir suspekt. So marschiere ich ohne Wagen durch das Drehkreuz. Brot, Tee und eine Staude Bananen türmen sich auf meinem Arm, zwei Dosen Katzenfutter klemme ich unters Kinn. Als ich mit der freien Hand eine Tüte Milch aus dem Kühlregal greife, poltert der ganze Einkaufsberg zu Boden.

Fluchend gehe ich zurück zum Eingang, wo die Einkaufswagen stehen. „Markstück einstecken und Schiene nach rechts schieben“, lese ich auf dem leuchtendroten Plastikschloß. Ich ziehe mein Portemonnaie aus der Tasche und schütte den ganzen Vorrat auf meiner Hand aus: 87 Pfennig.

Einen 50-Mark-Schein habe ich noch und gehe zur Kasse, um zu wechseln. Als die Kassiererin zwischen zwei Kunden einmal aufschaut, bitte ich sie, meinen Schein „kleinzumachen“. „Wir sind doch hier keine Wechselstube“, faucht sie mich an. „Für den Einkaufswagen“, erwidere ich kleinlaut, und wortlos drückt sie mir zwei 20-Mark-Scheine und den Rest in Silbergeld in die Hand. Ein Markstück ist auch dabei.

Ich stecke es in den Schlitz und befreie den Korb mit einem kräftigen Ruck. Die ältere Frau neben mir warnt mich, nur ja niemals einen Wagen von einem anderen Kunden zu nehmen. Kürzlich habe ihr ein junger Mann seinen Einkaufswagen angeboten und sie habe ihm daraufhin ein Markstück gegeben. Als sie dann beim Zurückstellen das Stäbchen mit der Kette ins Schloß steckte, fand sie statt der Mark den Ring einer Getränkedose im Schlitz.

Derart gewarnt, starte ich zum zweiten Anlauf, erledige meinen Einkauf, verstaue ihn nach dem Bezahlen in einem Pappkarton und verlasse das Geschäft. Auf halbem Weg fällt mir ein, daß ich meinen Wagen stehengelassen habe. Ich haste zurück zum Laden – der Wagen ist weg. Verfluchte Neuerungen! Iris Ollech