Für die Arbeiter entstehen zunächst mehr Nachteile / Von Iring Fetscher

Ernest Mandel, Lehrer an der Freien Universität Brüssel, einer der besten Kenner der Kritik der Politischen Ökonomie von Marx und engagierter Anhänger Trotzkis hat eine gründliche Studie über die jüngste Entwicklung der Sowjetgesellschaft vorgelegt. Darin geht es um die objektiven ökonomischen, sozialen und kulturellen Verhältnisse der Sowjetunion und die tiefgreifenden Veränderungen, die dort in den letzten Jahren stattfanden:

  • Ernest Mandel:

Das Gorbatschow-Experiment

Ziele und Widersprüche; Athenäum Verlag, Frankfurt 1989; 286 S., 38,– DM

Die Krise der sowjetischen Wirtschaft und Gesellschaft, die von Gorbatschow mit der "Zeit der Stagnation" unter Breschnjew gleichgesetzt wird, ist eine Tatsache. Auf sie reagiert – so Mandels These – "der ‚modernistische‘ Flügel der herrschenden Bürokratie", als dessen Exponenten er Gorbatschow ansieht, mit einem Bündel von Reformen ("Revolution von oben"). Mit Hilfe von Marktmechanismen soll die Wirtschaft effizienter werden. Und zur Aktivierung der Bevölkerung werden "Glasnost" und "Demokratisierung" eingesetzt. Diese notwendige Veränderung aber soll – und daran erblickt Mandel ihren Grundwiderspruch – die Kontrolle durch die Parteibürokratie nicht beseitigen, sondern lediglich die Qualität dieser Bürokratie verbessern.

Halbverdeckter Klassenkampf