Sind Sie schon einmal mit Ihrem Mittelklassewagen aus Holland (Tempo-Begrenzung 120 auf der Autobahn) nach Hause in die Bundesrepublik zurückgekehrt und haben sich dann unmittelbar hinter der Grenze von einem größeren Mittelklassewagen mit holländischem Kennzeichen und 180 Sachen überholen lassen müssen? Ja, das vergißt man nicht so bald.

Und sind Sie schon einmal mit Ihrem Mittelklassewagen und Tempo 101 km/h durch die DDR auf der Transitstrecke nach West-Berlin an einem Porsche aus der Bundesrepublik vorbeigezogen? Auch ein schönes Gefühl.

Die Italiener – so spricht man in den Autobahnraststätten von Kiel bis Kiefersfelden – wollen absichtlich vor Beginn der bundesdeutschen Sommerferien die Geschwindigkeitsbeschränkung auf ihren Autobahnen von jetzt 130 auf 110 Kilometer in der Stunde drosseln. Na, was sagt man denn dazu? Absagen sollte man die Ferienbuchung in Lignano.

Alles gute Gründe, um auch bei uns endlich einem Tempolimit zuzustimmen. Aber wenn zwei von drei Bundesbürgern dagegen sind, wird es nie etwas. Für den einen, den Dritten, lohnt es nicht. Damit wäre also die Debatte endgültig vom Tisch. Sogar bei 56,8 Prozent der bundesdeutschen Nicht-Autofahrer ist Tempo 100 "unpopulär".

Das hat in einer Repräsentativumfrage unter 2000 Leuten zwischen 16 und 69 Jahren die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) jetzt herausgefunden. Die Mehrheit ist für Katalysator und freie Fahrt.

Und wofür ist der bundesdeutsche Autofahrer, wenn er gerade auf der Autobahn die Ehre des Vaterlandes verteidigt? Wir ahnen es: Autobahngebühr und Tempolimit für alle EG-Ausländer. Ein frommer Wunsch, der sich aber wohl doch nicht erfüllen lassen wird. Darum fordern wir: Tempolimit 130 auf Bundesautobahnen. Aus Rache. Viola Roggenkamp