In den fünfzigerer Jahren war es der Bestseller von George Mikes, „How to be an Alien“, der die Annäherung zwischen Briten und dem Rest der Welt ironisch beschrieb. In den achtziger Jahren ist es „The English Companion“ von Godfrey Smith. Der Untertitel des Ratgebers lautet: England und Englischsein – ein ungewöhnliches ABC. Godfrey Smith ist ein geradezu stromlinienförmiger Brite und deshalb prädestiniert, Marotten und Skurrilitäten seiner Landsleute auf den satirischen Punkt zu bringen. Er studierte in Oxford (wo sonst?) Philosophie, Politik und Nationalökonmie (was sonst?), veröffentlichte erste Kurzgeschichten (natürlich) in Studentenzeitungen und ist heute Redakteur des Sunday Times Magazine und der Review. Sein „English Companion“ machte ihn berühmt. Wir drucken in den nächsten Wochen einige ausgewählte Definitionen daraus.

Ausland: Nichts kennzeichnet die Ambivalenz der Engländer so sehr wie ihre Einstellung zum Ausland. Einerseits ist „Ausland“ dort, wo sie Namen und Vermögen erworben haben. Ins Ausland zu gehen, war für einen Engländer so natürlich wie das Atmen. „Ziehe hinaus und regiere New South Wales!“, ermunterte uns Hilaire Belloc in einem berühmten Vers. Andererseits waren Ausländer suspekt, und in Calais begann die Welt der wogs (ursprünglich „Araber“, heute abwertendes Wort für Ausländer; es entspricht im Deutschen dem derogativen Gebrauch von „Kanaken“).

Den englischen Schriftsteller hat es unweigerlich ins Ausland gezogen. Er brauchte weder ein Büro noch eine Fabrik, um darin sein Geld zu verdienen; das Pfund war stark, und die Sonne lockte ihn in den Süden. Zudem konnte er sich dort von den repressiven moeurs seines Heimatlandes freimachen (D.H. Lawrence).

Bemerkenswert freilich ist es, daß eine neue Rasse englischer Schriftsteller herangewachsen ist, die mit dem Leben im Ausland nichts im Sinn hat; sie gehen nur dorthin, wenn sie dazu gezwungen sind (Kingsley Amis, Philip Larkin). Alles in allem hat der Auslandsaufenthalt dem Engländer mehr gut getan als geschadet, und die Tatsache, daß heute an die 600 Millionen Menschen seine Sprache sprechen, legt ein deutliches Zeugnis für die peripatetische Ruhelosigkeit seiner Vorfahren ab – freilich auch dafür, daß er der Welt miserabelster Linguist ist.

Wir müssen auch gestehen, daß sich – in den Augen der Welt – der Engländer im Ausland von seiner schlechtesten Seite zeigt. Mit seinen vorstehenden Zähnen, ausgebeulten Shorts, seiner durchdringenden Stimme und seiner schlampig gekleideten Memsahib ist er bestenfalls ein Ekel, schlimmstenfalls ein Halsabschneider und meistens ein pain in the arse.

Akzent: Es ist gerade siebzig Jahre her, daß Professor Higgins in Bernard Shaws „Pygmalion“ zum erstenmal prahlte, er könne sich eines Blumenmädchens wie Eliza Doolittle annehmen und sie innerhalb dreier Monate als Herzogin vorstellen (oder ihr eine Stelle als Verkäuferin besorgen, wofür man ein noch besseres Englisch beherrschen mußte – und muß). Bernard Shaw hatte damit unseren wunden Punkt getroffen, die schreiend offensichtliche Tatsache nämlich, daß kein Engländer seinen Mund aufmachen kann, ohne von einem anderen Engländer lächerlich gemacht zu werden.

In den Jahren, die seither vergangen sind, hat sich so gut wie nichts daran geändert. Angestellte sprechen immer noch den Dialekt von Winchester und New College (Oxford) oder Shrewsbury und Peterhouse (Cambridge), die Gewerkschaftsführer hingegen mit dem Akzent, den sie in Jarrow oder Poplar gelernt haben. Subtile Veränderungen jedoch haben die alten, klaren Trennungen kompliziert.