"Ein Wachstumseinbruch in China muß Ostasien wie ein negativer Multiplikator mehrfach belasten", warnt die in Hongkong erscheinende Far Eastern Economic Review. Die Arbeitsteilung der Region steht auf dem Spiel, durch die etwa Südkorea und Taiwan zu verlängerten Werkbänken für Japans China-Exporte avancierten und Hongkong als Reexporteur für China-Lieferungen aus der ganzen Region blühte. Japans Handelsministerium befürchtet denn auch einen diesjährigen Rückgang des bilateralen Warenaustausches mit dem umworbenen Riesenreich um vierzig Prozent gegenüber dem letztjährigen Volumen von gut neunzehn Milliarden Dollar, Zulieferungen an China-Exporteure Taiwans, Südkoreas und Hongkongs nicht gerechnet.

Letzte Woche bliesen 108 japanische Industrieriesen und Finanzgiganten die geplante Gründung eines chinesisch-japanischen Wirtschaftsförderungsverbands unzeremoniell ab. Vor allem die Banken wollen eine Entscheidung der Regierung in Tokio über weitere Kreditvergaben an Peking abwarten, ohne die beim hochverschuldeten chinesischen Nachbarn ohnehin nichts mehr läuft. Seit 1979 hat China von Japan öffentliche und private Kredite in Höhe von umgerechnet zwölf Milliarden Mark kassiert. Das nächste fünfjährige Kreditprogramm von 1990 an sieht japanische Finanzspritzen in fast gleicher Höhe vor, deren Vergabe gegenwärtig nicht gesichert erscheint.

"Obwohl japanische Firmen in China ausharren, die Reize neuer Investitionen sind mit dem Verlust der vielgerühmten Stabilität Chinas dahin", beschreibt eine Tageszeitung den Kummer der japanischen Konzerne, die vor zehn Jahren glaubten, von der Modernisierung des benachbarten Entwicklungslandes am meisten profitieren zu können.

Für Südkorea, wo erst im letzten Jahr das Tabu des Handels mit sozialistischen Staaten fiel, stehen die Chancen schlecht, sich China als Ersatzpartner für die wenig geliebten Japaner empfehlen zu können. Die Regierung in Seoul ordnete praktisch ein Investitionsverbot für China mit der Vorschrift an, für jedes Projekt nicht mehr als eine Million Dollar anzusetzen.

Bisher wickelte Südkorea seinen China-Handel ebenso wie Taiwan weitgehend über Hongkong als diskretem Vermittler ab. "Die Drehscheibe Hongkong droht sich festzufahren", befürchten Wirtschaftsexperten. Behalten sie recht, dann stehen rund zwanzig Prozent von Hongkongs eigenen Exporten und gut achtzig Prozent der über die britische Enklave zur Weiterverarbeitung oder – wie im Fall von Taiwan und Südkorea – zur Verschleierung des Ursprungslandes geleiteten Reexporte auf dem Spiel. "Hongkong wird zwei bis drei Jahre brauchen, um sich wirtschaftlich wieder von dem Schock zu erholen", rechnet Thomas Chan von der Universität in Hongkong vor.

Ein Wirtschaftsforschungsinstitut in Tokio ergänzt: "Bei dem Abschwung geht es nicht um das zyklische Auf und Ab im China-Geschäft, sondern um den Verlust einer weltwirtschaftlichen Option für geraume Zeit." Für die asiatischen Anrainerstaaten des Pazifischen Beckens, die sich mit ihrer einseitigen Ausrichtung auf die USA Handelsärger und Aufwertungsdruck für ihre Währungen eingehandelt haben, sticht also die chinesische Karte nicht mehr. Am Montag hieß es im Wirtschaftsplanungsamt der japanischen Regierung: "Während sich anderswo Integration und Blockbildung abzeichnen, müssen wir in Fernost unsere Hoffnung vorerst begraben."