Bundesfinanzminister Theo Waigel hat erreicht, was er wollte. Seine Ankündigung, die erst zu Jahresbeginn eingeführte Quellensteuer werde am 1. Juli abgeschafft, stoppte die grenzüberschreitende Kapitalflucht. Nach den Statistiken der Deutschen Bundesbank kauften bundesdeutsche Anleger im April für 1,9 Milliarden Mark ausländische Wertpapiere. Das ist ein vergleichsweise geringer Betrag. Im Monat zuvor lag er nämlich mit 9 Milliarden Mark um fast das Fünffache höher. Von der Quellenbesteuerung sollten ausländische festverzinsliche Wertpapiere ausgenommen werden. Deshalb hatten bundesdeutsche Anleger schon im Oktober 1986 damit begonnen, ihre Depots umzuschichten.

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Nachdem es die Quellensteuer bald nicht mehr gibt, sollten jetzt auch die Kapitalverkehrsteuern abgeschafft werden. Dafür plädiert das Karl-Bräuer-Institut des Bundes der Steuerzahler. In der Studie heißt es, die Gesellschafts- und die Börsenumsatzsteuer verstießen gegen den Grundsatz der Steuergerechtigkeit. Die steuerliche Leistungsfähigkeit des einzelnen bleibe unberücksichtigt, wodurch wenig verdienende Anleger härter getroffen würden als wohlhabende. Nach Ansicht der Wissenschaftler stehen die beiden Steuern überdies im Widerspruch zum vermögenspolitischen Ziel einer breiten Streuung des Produktivkapitals. Die Attraktivität der Aktie werde gemindert, weil die Rendite durch diese Steuer geringer ausfalle.

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Aktien sind bei Bundesbürgern nicht gerade populär. Nach Angaben der Deutschen Bank macht der Anteil der Aktienanlagen am privaten Geldvermögen nur 2,4 Prozent aus. Um das zu ändern, hat der von Unternehmen und Banken getragene Arbeitskreis Aktie eine internationale Aktionärsmesse vorgeschlagen. Sie wird im August 1990 auf dem Düsseldorfer Messegelände stattfinden. Seminare und Plenarveranstaltungen sind geplant. Die Themen: Rechte der Aktionäre, Methoden der Aktienanalyse, Investmentsparen. In der Ausstellung präsentieren sich börsennotierte Unternehmen, Fonds und Banken den Anlegern. kah