Ferien bei andalusischen Bauern in der Sierra de los Filabres

Von Susanne Kippenberger

Wir sind ziemlich allein – die Berge, das Auto und ich. Ein Kaninchen kommt uns entgegen, aber ohne von uns Notiz zu nehmen, hüpft es einfach weiter. Wahrscheinlich hält es uns für einen entfernten Verwandten, so wie wir über die Straße hoppeln. Durch die schmuddelige Luft hindurch erblinzle ich, unverschämt dick und kugelig und knallorange, die Sonne, die genauso eine Attrappe sein könnte wie der brüllende Stier auf dem Berggipfel, der sich im Rückspiegel als Sherry-Reklame entpuppt.

Was hat das knallige Ding mitten in dieser garstigen Landschaft zu suchen? Auch wenn der Reiseführer es mir verboten hat, ich sage es: Es sieht hier aus wie auf dem Mond – vom Winde verwehte, stoppelig bewachsene Krater, wie mit grauer, unrasierter Elefantenhaut überzogen, man kann das Kratzen der stacheligen Gräser förmlich spüren. Eine atemberaubende Landschaft, jenseits von schön und häßlich. Eine Wüste, so dramatisch wie in einem wilden Western.

Die erste – so scheint es – Halluzination läßt nicht lange auf sich warten. „Mini-Hollywood“ steht am Straßenrand. Scheppernd rollt ein Plastikbecher durch die verlassenen, staubigen Straßen einer Geisterstadt. „Ich bin in Spanien, in Spanien“, hämmere ich mir ein, „in Andalusien.“

Irgendwann, hinter einer Ruine, die von Kakteen bewohnt wird, und kurz bevor ich mich endgültig von der Zivilisation verabschieden will, komme ich schließlich ans Ziel der langen Straße. Ich bin in Senes!

Viele Häuser stehen verlassen da