Was, um Himmels willen, ist das? Oooohjäääh! Oooohbäääh! Jiiiieh! Das sind die Schreie, welche die jugoslawische Tenniskünstlerin Monica Seles (15) bei ihrer Arbeit ausstößt. So jedenfalls hat es unser Kollege Horst Cronauer im „Thema des Tages“ der Bild-Zeitung vom 10. Juni 1989 der Nachwelt überliefert.

An dieser Stelle wollen wir dezent einflechten, daß das Thema „Stöhnen auf dem Tennisplatz“ von Anfang an ein Thema der ZEIT gewesen ist – woselbst es schwerpunktmäßig in den Abteilungen Leitartikel, Zeitläufte und Feuilleton ressortiert. Aber gleichviel – die Basis-Recherche des Kollegen Cronauer wird auch unsere Forschungen beflügeln.

Und auch unser journalistisches Ethos ist dank Bild nun nicht mehr dasselbe. „Steffis Geständnis: Ich hatte meine Tage“, meldete das Blatt am Montag auf Seite eins – und ließ dieser bestürzenden Enthüllung einen Leitartikel auf Seite zwei folgen („Mutige Steffi“), der weiterwirken wird über den Tag und die Tage hinaus. „Eine Erkenntnis für alle Männer bleibt: Die Tage greifen tief in Seele und Körper der Frau ein. Jeder Frau...“

Nun ist es an uns (mutige ZEIT, mutiges Feuilleton, mutiger Finis!), mit einem weiteren Bekenntnis nachzustoßen. Was die Wissenschaft längst weiß, wir sprechen es an dieser Stelle erstmals öffentlich aus: Auch im Leben des Mannes gibt es Regeln und Zyklen und Rhythmen, die tief in die männliche Seele, den männlichen Körper eingreifen. Und auch wir Männer wollen gebührend bedauert werden, wenn wir unsere überraschenden Niederlagen erleiden, wenn der zweite Aufschlag nicht kommt oder der Tiebreak in die Hose geht.

Im Vertrauen, lieber Leser: Mancher kurzatmige Artikel in dieser Ausgabe, manche hirnrissige Glosse hat keineswegs mit der Dummheit, Faulheit oder Trunkenheit des jeweiligen Redakteurs zu tun. Sondern, Sie wissen schon: die Tage ... Schade, aber nicht zu ändern.

Man hat ja keine Ahnung, welche menschlichen Dramen sich hinter den Mauern und Türen eines Weltblattes tagtäglich ereignen. Zum Beispiel dort hinten, im letzten Zimmer rechts (Nr. 441). Ein leises Schluchzen, ein lautes Seufzen, ein gräßliches Stöhnen. Was, um Himmels willen, ist da bloß los?

Oooohjäääh! Oooohbäääh! Jiiiieh! Die Tür geht auf, „Das Letzte“ ist fertig. Finis