Darin vor allem sehen die meisten Solarexperten die technische Zukunft. Um so überraschter war man bei der AEG, dem erfahrensten deutschen Solarzellen Hersteller, darüber, wie werbewirksam die bayerische Landesregierung das Solarprojekt von Siemens und Bayernwerk präsentierte. Die AEG hat dreißig Jahre Solar Erfahrung und beliefert Raumfahrtsatelliten, deren Stromversorgung mit höchster Präzision funktionieren muß. Was die Zellen aus kristallinem Silizium im All leisten, können sie auch auf der Erde — Strom, zuverlässig und lange vor allem dort liefern, wo die Sonne noch länger und intensiver scheint als etwa am Brunnenhof des Bauern Alois Hiltensperger am Kocheier Moor.

Werner Freiesleben, der lange Jahre in der Geschäftsführung bei Wacker die Solarenergie verfochten hat und heute als stellvertretender Vorsitzender von Eurosolar, Vereinigung für das solare Energiezeitalter, Lobbyist der Sonne ist, kommentiert das Siemens Engagement: "Nichts, was mich vom Stuhl reißt Sicher, als Batterieersatz sind Solarzellen sinnvoll, wie man sie in Wackersdorf bauen will, aber als Stromerzeuger in größerem Stil kommen sie seiner Ansicht nach nicht in Frage. Die Stromerzeugung bleibe den Solarzellen aus kristallinem Silizium vorbehalten. Und Hermann Scheer, SPD MdB und Vorsitzender von Eurosolar, fordert: "Auf diesem Sektor klotzen. Was Siemens- und Bayern werk machen, begrüße ich zwar, aber als Ansatz ist das zu dürftig und hat wohl nur Alibi Charakter "

Nur wenn der Staat die energiepolitischen Rahmenbedingungen für die Solarenergie ändert und ihre Anwendung mit Markteinführungshilfen beschleunigt, ließen sich die großen Stückzahlen erreichen, die zu geringeren Produktionskosten führen. Hersteller von Solar Silizium und Solarzellen wären zum Beispiel über Jahre ausgelastet, wenn alle bundesdeutschen Häuser in Südlage mit Solarzellen bestückt würden. Werner Freiesleben erinnert auch daran, daß achtzig Prozent der Weltbevölkerung keinen Strom kennen. Freiesleben: "Dort gibt es reale Chancen"; zumal sich die Kostenschere zwischen herkömmlich produziertem Strom und dem aus Sonnenkraftwerken allmählich schließt. Während der Preis für die Kilowattstunde Strom aus Forschungs- und Pilotanlagen nach wie vor zwischen zwei, fünf und sieben Mark schwankt, hat einen Studie von Ludwig Bölkow nachgewiesen, daß unter optimalen Bedingungen bereits ein Preis von vierzig bis achtzig Pfennig erreicht werden kann.

Damit bewegen sich die Kosten für Solarstrom bereits auf den Preis einer herkömmlichen Kilowattstunde (im Durchschnitt 25 Pfennig) zu. Würde man den gegenwärtigen Stromkosten die sozialen Folgekosten zurechnen, die bei der Stromerzeugung anfallen (Schäden für Mensch und Natur), wäre die regenerative Energie nahezu konkurrenzfähig, wie Olav Homeyer vom Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung in Karlsruhe zusammen mit Kollegen nachgewiesen hat. Die sehr vorsichtigen Rechnungen setzen die sozialen Folgekosten für Strom aus Kohle, Öl und Kernenergie mit fünf bis zwölf Pfennig pro Kilowattstunde an.

Solange die Stromwirtschaft in der Bundesrepublik ihre im Übermaß vorhandenen Kraftwerke nicht vollends abgeschrieben hat, ist jedoch nicht damit zu rechnen, daß sie sich, von einzelnen Paradebeispielen abgesehen, verstärkt der Sonne zuwendet. Das Ergebnis der eiligen Bemühungen in Wackersdorf ist deshalb nachgerade absurd: Während Siemens und Bayernwerk mit staatlicher Hilfe jetzt in eine Solartechnik investieren, die relativ unbedeutend ist, muß Wacker Chemie ausgerechnet jene Sonnenaktivitäten aus Kostengründen reduzieren, die langfristig am meisten Erfolg ver