Von Rudolf Kahlen

Für den sonst eher bedächtig argumentierenden Kenner des hiesigen Immobilienmarktes ist die Formulierung erstaunlich salopp gewählt. „Auf Teufel komm raus versuchen die Schweden jetzt, in der Bundesrepublik zu investieren“, sagt John Morgan, Chef der Beratungsgesellschaft Zadelhoff Deutschland. Vor allem auf Bürohäuser haben es die schwedischen Anleger abgesehen. Denn solche Objekte sind von der Lage her vergleichsweise leicht zu beurteilen, lassen sich einfacher verwalten als etwa ein Einkaufszentrum und versprechen eine akzeptable Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Der Markt für Bürohäuser ist zwar groß; zwischen Flensburg und Garmisch immerhin 24 Prozent aller Immobilien. Und ihr Anteil steigt ständig. Doch es ist nicht leicht, geeignete Objekte zu finden. Das Angebot ist geringer als die Nachfrage.

Bislang spielten offene Immobilienfonds die führende Rolle als Investoren auf dem Büromarkt. Das ändert sich aber derzeit. Allein im ersten Quartal dieses Jahres entzogen Anleger den Fonds fünfzig Millionen Mark, weil die Verzinsung der Anteile zu wünschen übrig ließ. Dadurch sank das verwaltete Vermögen auf 15,1 Milliarden Mark. Verglichen mit dem auf fünf bis sechs Milliarden Mark geschätzten Immobilienbesitz ausländischer Investoren ist das immer noch beachtlich, allerdings verändert sich das Verhältnis immer mehr zu Lasten der heimischen Fonds.

In den vergangenen Jahren waren es vor allem englische Versicherungen und holländische Pensionskassen, die Bürohäuser kauften oder bauten. Seit der Jahreswende sind es vor allem die Schweden und sie werden nach Morgans Einschätzung „bald die führende Rolle übernehmen“.

Im großen Stil sind Immobilienkäufe für Schweden erst möglich geworden, nachdem die Regierung in Stockholm die restriktiven Bestimmungen für Auslandsinvestitionen lockerte. Das geschah am 19. Januar dieses Jahres. Mittlerweile können Versicherungen und Pensionskassen außerhalb Schwedens Grundstücke und Gebäude erwerben, schwedische Unternehmer brauchen überdies nicht mehr umständlich bei der Reichsbank anzufragen, wenn sie ausländische Immobilien erwerben wollen.

„Da hat sich Kapital aufgestaut“, heißt es im Hamburger Immobilienmaklerbüro Grossmann & Berger, „das jetzt placiert werden will.“ Begehrt sind Objekte nicht nur in der Hansestadt, sondern vor allem auch in Düsseldorf und Frankfurt. München hingegen wird eher gemieden.

Im vergangenen Dezember kaufte die zum schwedischen Arcona-Konzern zählende Immobiliengesellschaft Coronado das Hochhaus der Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) am Frankfurter Theaterplatz. Der Kaufpreis für den Glaspalast, der Mitte der siebziger Jahre für 300 Millionen Mark gebaut worden war: 650 Millionen Mark. Bis 1993 soll nun dort ein skandinavisches Banken- und Handelszentrum entstehen – rechtzeitig zur Vollendung des Binnenmarktes der Europäischen Gemeinschaft.