"The Hidden – Das unsagbar Böse" von Jack Sholder

Ein Banküberfall. Eine Schießerei. Eine Verfolgungsjagd. Ein Massaker. Der Film verliert keine Zeit, sondern schlägt zu. Das Action-Genre muß schon an die Grenzen seiner Beweglichkeit gehen, um der gewalttätigen Energie dieser Science-fiction-Geschichte noch Herr zu werden. Normalerweise werden solche Geschwindigkeiten im Kino unserer Zeit von den Spezialeffekt-Leuten bewältigt. Denn im Krieg der Sterne gilt allein die Relativitätstheorie.

In "The Hidden" gibt es jedoch kein Maß mehr, zu dem man das Gezeigte in Relation setzen könnte. Mit der guten alten Feuerkraft des Action-Kinos versucht man hier dem außerirdischen Parasiten beizukommen – zwecklos. Das unsagbar Böse hat sogar die Dramaturgie infiziert:

Sie kann nur noch stereotyp zurückschlagen. Ein Geschäftsmann. Ein Buchhalter. Eine Stripperin. Ein Hund. Ein Polizist. Ein Präsidentschaftskandidat. Der Alien schlüpft in immer neue Körper, und ein Polizist versucht, ihm mit seinen antiquierten Methoden beizukommen. Aber das Böse tut unaufhaltsam, wozu es Lust hat: bevorzugt rote italienische Sportwagen fahren und attraktiven Frauen nachsteigen. Jack Sholders Film tut dasselbe. Er hat das Kino der Achtziger damit auf den Punkt gebracht, auf den Endpunkt. Und er läßt den abwegigen Gedanken zu, das unsagbar Böse könnte auch schon vom Körper des amerikanischen Präsidenten Besitz ergriffen haben.

Michael Althen

"Das Kuckucksei" von Paul Bogart

"Es gibt Einfacheres im Leben, als eine Tunte zu sein. Aber was soll ich machen? Ich habe keine andere Wahl: Ich kann keine flachen Schuhe tragen." So selbstironisch vertraut sich Arnold (Harvey Fierstein), der in einer New Yorker Travestie-Show auftritt, dem Publikum an. Während er sich abschminkt, erzählt er – die Kamera ganz nah an seinem Gesicht – von seinen Ängsten und Sehnsüchten. Seiner rauchigen Stimme könnte man lange zuhören. Doch "Das Kuckucksei", in New York als Theaterstück (von Harvey Fierstein geschrieben) sehr erfolgreich, braucht als Film Aktion, Tempo und wechselnde Schauplatze. So sieht man Arnolds Streifzüge durch die Homosexuellen-Szene New Yorks, seine Liebesbeziehungen, seine Auftritte in der Show. Melancholie bestimmt das erste Drittel des Films.