Eigentlich sollte die Nachricht noch nicht an die Öffentlichkeit – aus gutem Grund: Denn erst Anfang 1991 wird Heinrich („Heiner“) Weiss Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) werden. Publik wurde die Sache jedoch schon jetzt, weil sich eine andere Spitzenorganisation kurzfristig nach einem neuen Präsidenten umsehen muß. Beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sollte Weiss bereits Anfang kommenden Jahres präsidieren.

Der 47jährige Vorstandsvorsitzende der Düsseldorfer Stahl- und Walzwerksgruppe SMS Schloemann Siemag AG ist ein vielgefragter Mann. Vor seiner Berufung an die BDI-Spitze – die formelle Wahl steht noch aus – war er fünf Jahre Vorsitzender des CDU-Wirtschaftsrates. Sein Parteichef Helmut Kohl hätte ihn 1983 gerne im Bundestag gesehen. Doch die örtliche Parteibasis gab einem anderen Kandidaten den Vorzug.

Heiner Weiss ist in der glücklichen Lage, über seine Aktivitäten außerhalb der Firma relativ souverän entscheiden zu können. Als Repräsentant einer der beiden Großaktionäre – die Familie Weiss besitzt 49 Prozent des Kapitals und die Hälfte der Stimmanteile – fühlt er sich mehr als selbständiger Unternehmer denn als angestellter Manager.

Der Sproß einer weitläufig mit den Flicks verwandten Industriellenfamilie aus dem Siegerland übernahm schon 1970 im Alter von 28 Jahren die damalige Siemag AG mit 3000 Beschäftigten. Sein Vater Bernhard Weiss, der den jungen Diplomingenieur zuvor in einem separaten Betrieb „erprobt“ hatte, ließ sich nach der Übergabe auf dem Werksgelände nicht mehr sehen. 1973 fusionierte Weiss sein Unternehmen mit der zum damaligen Gute-Hoffnungshütte-Konzern (die heutige MAN), gehörenden Schloemann AG zum größten Walzwerkbauer der Welt. Heute setzt die SMS-Gruppe mit rund 7000 Beschäftigten knapp zwei Milliarden Mark um.

Als einem der ersten glückte Weiss der Einstieg ins große China-Geschäft. Für 600 Millionen Mark kontrahierte 1974 ein Konsortium unter seiner Führung ein Kaltwalzwerk und eine Stranggießanlage in Wuhan. Für 2,1 Milliarden bestellte Peking vor drei Jahren eine Warmbreitbandstraße und ein weiteres Kaltwalzwerk.

Lange Zeit konnte der smarte Jungunternehmer auch in schwachen Konjunkturphasen zufriedenstellende Ergebnisse präsentieren. Doch inzwischen muß auch er mit Rückschlägen fertig werden. Erst sackte seine Kunststoffmaschinenfirma Battenfeld als Folge von Managementfehlern tief in die roten Zahlen. Dann kamen nicht genug Aufträge für neue Walzwerke, so daß die Kapazitäten im siegerländischen Stammwerk nicht ausgelastet waren. Um sich ganz auf das Unternehmen zu konzentrieren, gab er im vergangenen Oktober sogar sein liebstes Hobby, den Autorennsport, auf. Auf dem Hockenheimring hatte er 1986 immerhin die deutsche Automobil-Rundstreckentrophäe in Empfang nehmen können. Spätestens wenn er in eineinhalb Jahren BDI-Präsident Tyll Necker beerbt, will der jetzt nominierte Nachfolger sämtliche Schwachstellen in seinem Haus beseitigt haben. Hans Otto Eglau