ZEIT: Wird die Europäische Gemeinschaft die Bundesrepublik zur Einführung eines Tempolimits zwingen?

Van Miert: Konkrete Aussichten für ein Tempolimit auf Gemeinschaftsebene gibt es nicht. Im vergangenen Dezember war mein Vorgänger innerhalb der Kommission mit einem entsprechenden Vorschlag völlig isoliert. Was die Mitgliedstaaten angeht, gibt es Widerstände in Dänemark, Großbritannien und der Bundesrepublik. Die beiden Erstgenannten sind der Auffassung, daß eine Geschwindigkeitsbeschränkung keine EG-Angelegenheit sein kann. In anderen Ländern scheint die Diskussion dagegen wieder anzufangen. Die Kommission wird vielleicht das Thema noch einmal aufgreifen müssen.

ZEIT: Viele Mitgliedstaaten sind der Bundesregierung beim Katalysator entgegengekommen. Ist beim Tempolimit nun Bonn am Zuge?

Van Miert: Über diese Frage kann es keinen Kuhhandel geben. Entweder die Bevölkerung eines Landes ist vom Sinn der Maßnahme überzeugt, oder sie ist es nicht.

ZEIT: Sind nicht viel weitergehende Maßnahmen als ein Tempolimit erforderlich, um den Autoverkehr in den Griff zu bekommen?

Van Miert: Es ist nicht zu leugnen, daß um die Jahrhundertwende einschneidende Maßnahmen notwendig sind. In den Niederlanden will man sogar variable Wegezölle einführen. Ich will deshalb eine Arbeitsgruppe einrichten, die die verkehrspolitischen Konsequenzen des Binnenmarktes abschätzt. Wir brauchen ein verkehrspolitisches Gesamtkonzept, sonst wird die EG ein gigantischer Parkplatz.

ZEIT: Österreich und die Schweiz wehren sich gegen einen verstärkten Transitverkehr auf ihren Straßen. Muß sich die EG nicht ein konsistentes Verkehrskonzept überlegen?