Nachdem es den Polen gelungen ist, am runden Tisch einen Ausweg aus der verhärteten Konfrontation zwischen kommunistischer Partei und Opposition zu finden, sucht Ungarn Hoffnung nach demselben Muster. Mit einem Unterschied: Glasnost und Perestrojka sollen an der Donau noch konsequenter verwirklicht werden. Das Fernsehen wird die – zur Abwechslung am dreieckigen Tisch tagende – Diskussionsrunde aus Parteifunktionären, Vertretern parteinaher Gruppen und Oppositionellen live übertragen, und statt der Übergangsregelung, die den Kommunisten in Polen noch eine Schonfrist von vier Jahren vor der Machtübergabe einräumte, geht Ungarn aufs Ganze: Dort, so ist es bis jetzt geplant, sollen die Wahlen im Sommer nächsten Jahres gleich vollends frei sein.

Sind die Ungarn nun mutiger? Wohl kaum, sie bauen die Sicherung nur später ein. Schon jetzt haben alle Beteiligten Einvernehmen darüber erzielt, daß die Kommunisten in einer Koalitionsregierung an der Macht beteiligt bleiben, selbst wenn sie sich bei der Wahl als kleine, ungeliebte Minderheit erweisen sollten. So generös können die Ungarn eben sein: die Partei, weil die Opposition in Ungarn schwächer und zersplitterter ist als in Polen; die Opposition, weil sie von der Ernsthaftigkeit und dem Willen zur Erneuerung bei den Reformkommunisten überzeugt ist. Die Wege aus der Krise in Osteuropa sind vielfältig. H. H.