Von Benjamin Henrichs

Zwei Männer tanzen. Nein, sie schweben durch den Raum, auf federnden Füßen – obwohl der eine ein veritabler Koloß ist und auch der andere nicht eben eine sportliche Erscheinung. Es hat die beiden Männer (und mit ihnen den Zuschauer im Kinosessel) eine Freude ergriffen, die schwindlig macht. Für eine knappe halbe Minute sieht man das eigentlich Unsichtbare, wie eine Fata Morgana: das Glück.

Im Kino (und in der Operette) haben solche Szenen ihren angestammten Platz – im Finale. Alle Schmerzen hören auf, alles Mißgeschick hat ein Ende. Das plötzliche Glück ist der Trost, die Rettung, die Lüge.

Doch unsere beiden Männer (es sind Mr. Hardy und sein Freund, Mr. Laurel) tanzen nicht zum erlösenden Ende. Ihr Tanz ist ein Atemholen nur – zwischen einem bösen Anfang und einem noch böseren Schluß. Ihr plötzliches Glück ist keine Rettung (denn natürlich wird niemand gerettet), dafür ist es die Wahrheit.

"The Music Box", ein Film von 1932. Mr. Laurel und Mr. Hardy haben Arbeit – und das heißt, sie werden unweigerlich am Ende des Films keine mehr haben. Denn sie gehen jedem Gewerbe mit einer Leidenschaft nach, die dieses Gewerbe weder verdient noch erträgt. Wären Laurel und Hardy Journalisten, niemals würde eine Zeitung erscheinen. Aber das ist ein anderer Film.

Denn heute sind unsere beiden Männer Spediteure. Auf einem altväterlichen Fuhrwerk (gezogen von einem abgründig melancholischen Gaul) transportieren sie ein elektrisches Klavier zu einem ahnungslosen Kunden. Am Fuße einer endlosen, steilen Treppe endet ihre Fahrt – und nun wird aus dem glücklichen Tag ein Desaster.

Wie transportiere ich ein Klavier treppauf? Wie demoliere ich anschließend eine bürgerliche Wohnung? Das sind die beiden Aufgaben, die Laurel und Hardy mit der ihnen eigenen Gründlichkeit lösen. Immer wieder entgleitet ihnen der tückische Musikautomat – rollt polternd talwärts, den armen Mr. Hardy mit sich schleifend.