Die moderne Industriegesellschaft fordert ihren Angestellten immer mehr Mobilität ab. Oft müssen sie sich über einen längeren Zeitraum fern vom Heimatort aufhalten, und auch Weiterbildungskurse erfordern zunehmend, daß sie andernorts eine Bleibe finden.

Große Firmen sind deshalb dazu übergegangen, feste Zimmerkontingente in Hotels für ihre Mitarbeiter zu belegen. Viele dieser Häuser gewähren Langzeitgästen zwar erhebliche Preisnachlässe; dennoch ist dieser Aufenthalt ein teures Vergnügen. Allein die Getränkepreise für die Minibar schlagen gewaltig zu Buche. Eine möblierte Bleibe anzumieten ist wegen des Wohnungsmangels in den Ballungszentren so gut wie unmöglich. Privatunterkünfte konfrontieren zudem mit unzumutbaren Unannehmlichkeiten.

In diese Lücke stößt eine Art von Herberge, die es versteht, dem Gast ein „Heim auf Zeit“ mit dem Service eines Hotels zu bieten. Er kann dann ganz nach Wunsch die besonderen Leistungen eines Komforthotels – vom Fitneß-Center bis zum Zimmerservice – nutzen. Der Preis richtet sich danach, welche Annehmlichkeiten in Anspruch genommen werden. So ist es beispielsweise möglich, sich von der Hotelgastronomie abzukoppeln und statt dessen die kleine Küche eines Studios oder Appartements zu nutzen.

Der Bedarf nach solchen Unterkunftsmöglichkeiten wächst, doch sind sie in der Bundesrepublik noch selten zu finden. Im April hat in Düsseldorf die Rheinstern-Gruppe ihre „Rhein-Residenz“ eröffnet und kann seither nicht über mangelnde Resonanz klagen. Gleich zu Beginn zogen ein Designer und der Geschäftsführer einer skandinavischen Großfirma für längere Zeit in das citynahe Haus ein. Bisher sieht „Residenz“-Chef Georg Wilhelm Moeller Tagesgäste noch lieber, weil sie dem Haus eine höhere Rendite bescheren. Doch den steigenden Trend in Richtung Langzeitgäste sieht auch er.

Wer in dem Haus für ein Vierteljahr ein Einzelappartement mit Küche belegt, zahlt 3000 Mark pro Monat. In dieser Zeit können sich die Dauermieter, die am Rande des Ruhrgebietes einen neuen Job gefunden haben, nach einer künftigen Wohnung umtun. Die „Rhein-Residenz“ liegt wenige Gehminuten von großen Düsseldorfer Firmen entfernt, Theater und Oper sind nicht weit. Auch die günstige Anbindung an Messe, Innenstadt und Flughafen (mit der U-Bahn) macht die 126 Wohneinheiten für einen längeren Aufenthalt attraktiv.

In der „Altea-Residenz an der Messe“ finden Reisende Unterkunft, die länger in der Wirtschaftsmetropole Frankfurt zu tun haben. Als Gäste begrüßt Direktor Michael Göldner in erster Linie Manager, die in Frankfurt eine neue Position antreten und sich noch nicht ihr Häuschen im Taunus sichern konnten, aber auch Geldhändler, die vorübergehend in der Stadt der Banken zu tun haben. Mindestens einen Monat müssen sich hier die Langzeitgäste einnisten, dafür zahlen sie derzeit 1600 bis 1700 Mark. Von September an erhöht sich der Preis um hundert Mark.

Elf verschiedene Zimmertypen werden angeboten. Eine Drei-Raum-Suite von 75 Quadratmetern Größe kostet für vier Wochen 4500 Mark. 150 der 450 Wohneinheiten hat das Hotel ständig an Langzeitgäste vermietet. Sie helfen dem Unternehmen auch über die schlechte Belegungszeit während des Sommerlochs hinweg. Für die Teilnahme am üppigen Frühstücksbüffet des Hotels werden pro Monat 450 Mark in Rechnung gestellt.